Fragen & Antworten:

K+S-Übernahme offen: Warum der Konzern für Potash ein schwerer Brocken wäre

Kali-Bergwerk Sigmundshall nordwestlich von Hannover: Mit großen Schaufelladern wird das losgesprengte Rohsalz, das Haufwerk, abtransportiert. Foto: K+S/nh

Kassel. Wochenlang herrschte Ruhe in Sachen K+S-Übernahme durch den kanadischen Rivalen Potash. Doch Potash hat seine Pläne offenbar noch nicht begraben.

Analysten und Marktkenner sind aber uneins darüber, ob dem Übernahmevorschlag ein offizielles Angebot folgt. Nachfolgend Fragen und Antworten.

Was ist der aktuelle Stand der Dinge?

Ende Juni hat Potash den Kasselern die einvernehmliche Übernahme für 41 Euro je Aktie vorgeschlagen, was das K+S-Management als unangemessen zurückgewiesen hat. Seither herrscht weitgehend Funkstille.

Was hat es mit den jetzt bekannt gewordenen Arbeitsplatz- und Standortgarantien und finanziellen Zugeständnissen für den Vorstand auf sich? 

Der Versuch, den Vorstand mit Jobzusagen und mehr Geld zu ködern, ist in solchen Fällen üblich. Was die Arbeitsplatz- und Standortgarantien angeht, stellt sich die Frage, was nach zugesicherten fünf Jahren ist. Gewerkschaft und Beschäftigte befürchten danach Betriebsstillegungen und Enlassungen.

Sind die Jobs langfristig sicher, wenn alles beim Alten bleibt? 

Lexikonwissen: K+S im Regiowiki

Niemand weiß, was in zwei Jahren ist, geschweige denn in fünf oder zehn. Die deutschen Kali-Vorkommen reichen noch für drei bis vier Jahrzehnte. K+S hat unlängst fast 400 Millionen Euro allein in den Gewässerschutz investiert und gedenkt in den nächsten Jahren dieselbe Summe für diesen Zweck aufzuwenden. Kein Unternehmen würde derart viel Geld in die Hand nehmen, um die Bergwerke nach wenigen Jahren zu schließen.

Wird Potash Corp. ein feindliches Angebot für K+S vorlegen? 

Das bleibt weiterhin unklar. Investoren, Analysten und Marktkenner sind sich nicht einig. Viele fragen sich, warum Potash so zögerlich vorgeht. Entschlossenheit jedenfalls sieht anders aus.

Was spricht aus Potash-Sicht für eine Übernahme? 

Dafür spricht, dass Potash in Europa praktisch nicht präsent ist und mit dem Marktführer K+S einen hervorragenden Marktzugang hätte. Außerdem könnten die Kanadier Überkapazitäten abbauen, um den Kalipreis hochzutreiben, und da bietet sich die Schließung der vergleichsweise teuren deutschen Standorte an. Mit der Übernahme fiele den Kanadiern außerdem das neue K+S-Bergwerk Legacy vor der eigenen Haustür in die Hände, das nächstes Jahr den Betrieb aufnehmen soll. Mit ihm werden die Kasseler den nordamerikanischen Markt aufmischen und das Kalipreis-Kartell der drei großen heimischen Produzenten – Potash, Mosaic und Agrium – das Leben schwer machen.

Und was spricht gegen eine Übernahme? 

Zum einen sind die angebotenen acht Milliarden Euro auch für Potash kein Pappenstiel. Viele Aktionäre sind gegen eine Übernahme. Sie halten sie für überteuert. So ist der Aktienkurs seit Bekanntwerden der Pläne um gut ein Drittel auf ein Sechsjahrestief gesunken. Erschwerend hinzu kommt der seit Juli um 14 Prozent gefallene Kalipreis.

Was ist an den Gerüchten dran, große Investoren drängten den K+S-Vorstand zunehmend zum Verkauf? 

Wahrscheinlich stimmen sie. Nach den jüngsten Kursverlusten im Zuge der Börsenturbulenzen erscheint den Investoren ein Preis von 41 Euro je Aktie attraktiver denn je. Gestern legte das Papier zwar um 3,39 Prozent auf 30,94 Euro zu. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Übernahmepläne stand es aber bei fast 39 Euro. Unabhängig davon wollen Fondsmanager zum Jahresende eine möglichst positive Bilanz vorlegen, und da käme ein ordertlicher Erlös aus dem Verkauf von K+S-Aktien gerade recht. Daher dürfte der Druck auf die Kasseler in den vergangenen Wochen gestiegen sein.

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