Die Ausstellung „Alles unter dem Himmel gehört allen“ wird am 2. Oktober eröffnet

Kunst aus China rollt an

Wie im Kino: Den „Transformer“ hat der chinesische Künstler Bi Heng (27) aus alten Militärlastwagen gebaut. Das „Guan Gong“ genannte Kunstwerk an der Treppenstraße ist komplett aufgebaut fast zehn Meter hoch und wiegt vier Tonnen. Foto: Mirko Konrad

Kassel. Nein, mit der documenta haben die 20 Kunstwerke, die derzeit in der Innenstadt und der Karlsaue aufgebaut werden, nichts zu tun. Kassel ist der Ort eines herausragenden Projekts des chinesischen Kulturjahres in Deutschland 2012, mit dem 40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen den beiden Ländern gewürdigt werden.

Die Schau zeitgenössischer chinesischer Kunst direkt im Anschluss an die documenta 13, die am 16. September zu Ende gegangen war, hat auch unter Stadtverordneten für eine Überraschung gesorgt. Im jüngsten Ausschuss für Kultur verlangte die CDU-Fraktion Aufklärung darüber, wie und warum die Kunstausstellung lautlos an der Öffentlichkeit und den Kommunalpolitikern vorbei – so CDU-Stadtverordneter Marcus Leitschuh – nach Kassel geholt worden sei.

Die Planung dafür laufe seit 2011, die endgültige Entscheidung, die Ausstellung in Kassel zu zeigen, sei im Frühjahr 2012 gefallen, erklärte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen (SPD). Die Ausstellung, die am 2. Oktober im Beisein des chinesischen Botschafters in Deutschland eröffnet werden soll, sei für die Stadt Kassel ein großes Geschenk. „Wir sind froh und dankbar, dass Kassel dafür ausgewählt wurde“, sagte Hilgen.

Bis zum Abschluss der documenta sei keine Werbung für die bevorstehende China-Kunstschau gemacht worden, um nicht von der Kasseler Weltkunstschau abzulenken.

Angesichts der politischen Verhältnisse in China sei eine kritische Betrachtung der möglicherweise linientreuen Kunst wichtig, forderte SPD-Stadtverordnete Esther Kalveram. Es seien begleitende Veranstaltungen zur kritischen Auseinandersetzung mit China nötig.

Die Biografien mehrerer Künstler, deren Werke in Kassel zu sehen sind, würden zeigen, dass es sich durchaus um kritische Kunstschaffende handele, entgegnete Hilgen. Zudem sei die Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Staat gewünscht. „Wenn Freiheit ansteckend ist, muss man nahe beieinander sein, um sich anstecken zu können“, sagte der Oberbürgermeister.

Die Ausstellung mit dem Titel „Alles unter dem Himmel gehört allen“ soll bis zum 18. Februar in Kassel zu sehen sein.

Die bisher weltweit größte Übersee-Ausstellung chinesischer Kunst im öffentlichen Raum wird von der China Construction Bank (CCB) mit rund 1,6 Millionen Euro finanziert. Die zweitgrößte Bank der Volksrepublik China war kürzlich in den Schlagzeilen, weil sich das staatliche Geldinstitut mit bis zu 16 Milliarden Dollar in eine europäische Bank einkaufen will. www.chinesepublicart. wordpress.com

Von Jörg Steinbach

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