Zahl der Nutzer noch gering

Artothek mit 400 Werken: Kunst-Gastgeber für zehn Euro

Bestandsverwalter und begeisterte Nutzer: Stadtbibliotheksleiter Knut Hoffmann (von links), die Artothek-Kunden Regina Oesterling und Frank Thöner sowie Birgit Williams, die die Ausleihe betreut. Fotos: Koch

Kassel. Ein besonderer Schatz in den Beständen der Stadtbibliothek wird vielen Kasselern erst in diesen Tagen bekannt: 400 Originalkunstwerke zum Ausleihen für die eigenen vier Wände sind in der documenta-Halle derzeit erstmals in einer Gesamtschau versammelt.

Das Interesse an der Artothek sei rege, die Resonanz „super-positiv“, sagt Birgit Williams, die die Kunst-Ausleihe in der Zentralbibliothek betreut. Viele Besucher hätten bereits Kunstwerke reserviert.

Doch zum Finale kommt erst noch die Museumsnacht am 6. September. „Davon erhoffen wir uns, noch einmal andere Publikumskreise zu erreichen“, sagt Stadtbibliotheksleiter Knut Hoffmann. Die Artothek, die seit 1990 besteht und jährlich aus Mitteln der Dr.-Zippel-Stiftung erweitert wird, werde bislang ganz überwiegend von Stammkunden genutzt.

Und dies in überschaubarem Rahmen: Im Jahr 2013 gab es laut Hoffmann 221 Kunst-Ausleihen, die wegen der Verlängerungsmöglichkeit auf gerade mal 72 einzelne Werke entfielen. Zum Vergleich: Im selben Jahr hatten sich Kasseler insgesamt 308 000-mal ein Buch oder ein anderes Medium aus der Zentralbibliothek geholt.

Dort gibt es neben Bestsellern und bekannten Autoren auch große Namen der Kunst: Originale von Chagall, Picasso, Kandinsky oder Miró kann man sich für zehn Euro acht Wochen lang ins Wohnzimmer holen. Der Schwerpunkt der Artothek liegt jedoch auf documenta-Teilnehmern und Künstlern aus Nordhessen.

Frank Thöner hat im Lauf von 15 Jahren schon viele der Arbeiten bei sich zu Hause gehabt. Der Mitbetreiber der Bali-Kinos ist seit den Anfängen ein Fan der Artothek. „Das ist eine ganz andere Art, für Kunst eine Öffentlichkeit herzustellen, als sie beispielsweise in Museen zu zeigen“, sagt er.

Die regelmäßig wechselnden Werke an Thöners Kirchditmolder Wohnzimmerwand seien auch immer wieder Thema für Kunstgespräche mit Nachbarn und Passanten. Der Grund: „Bei uns fährt direkt die Straßenbahn vorbei, und von dort kann man sehen, dass bei uns wieder mal etwas Neues hängt, weil wir keine Gardinen am Fenster haben.“

Auch Besucher fänden die wechselnden Werke immer wieder spannend, sagt Frank Thöner. Er kenne allerdings nur eine weitere Familie, die regelmäßig bei der Artothek ausleiht. „Aber ganz viele andere sagen immer: Das müsste man eigentlich mal machen.“

Regina Oesterling macht es seit einigen Monaten. Seit der documenta 13 ist die Krankenkassen-Mitarbeiterin inspiriert und begeistert von bildender Kunst. „Ich habe dadurch viele tolle Menschen getroffen und gelernt, Fragen zu stellen“, berichtet sie. Die Möglichkeit, sich für ein paar Euro ein Originalwerk ins Heim zu holen, finde sie großartig.

„Wie ein Überraschungspaket“ sei es jedesmal, wenn man ein Artothek-Bild auspacke und erspüre, wie es die häusliche Atmosphäre verändert. Das Zusammenleben mit Kunst „macht das Leben für mich bunt, vielfältig und spannend“, sagt Regina Oesterling.

Von Axel Schwarz

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