Maler Björn Hübert stellt im Fitnessstudio „Friends Gym“ aus

„Kunst steckt an“

Der Maler, seine Kunst und die starken Männer: Björn Hübert (Mitte) am Fitnessgerät im Studio von Marinko Neimarevic (links) und Holger Böttcher. Im Hintergrund eine seiner Arbeiten. Foto: Fischer

Kassel. Anspruchsvolle, ab-strakte Kunst in einem Fitnessstudio, zwischen schwitzenden Sportlern auf Steppern, am Bauchtrainer und mit Hanteln? Wie geht das zusammen? „Das ist überhaupt kein Widerspruch“, sagen Holger Böttcher und Marinko Neimarevic, zwei der Inhaber von „Friends Gym“ an der Frankfurter Straße.

Seit inzwischen acht Jahren ist der bekannte Kasseler Künstler Björn Hübert Kunde im Fitnessstudio, das nicht weit von seiner Wohnung an der Heinrich-Heine-Straße entfernt liegt. Seit dieser Zeit hält sich der heute 72-Jährige im Studio nicht nur fit, sondern stellt hier auch seine großformatigen, dynamischen Gemälde aus. Es handelt sich um „Action-Painting“, also in großer Geste, mit ausholendem Pinsel und viel Farbe auf die Leinwand aufgetragene Malerei. „Das passt doch ausgezeichnet in ein Fitnessstudio“, kommentiert Hübert die Wahl des ungewöhnlichen Ausstellungsorts. Böttcher und Neimarevic mussten nicht überredet werden. Die durchtrainierten Männer waren sofort begeistert. „Wir finden, das passt“, sagt Böttcher. „Wir sind ja offen für alles.“

Den Sportlern gefällt das

Auch bei den Gästen im Studio komme die professionelle Kunst, die ja nicht gerade leicht verdaulich ist, sondern eine gewisse Rezeptionsbereitschaft verlangt, gut an. „Die finden das klasse. Oft stehen sie vor den Bildern, betrachten sie und fragen, wer die gemalt hat“, sagt Neimarevic. Es entstünden gute Gespräche, fügt Böttcher hinzu.

Hübert, dessen Atelier sich nicht weit entfernt, mitten im pulsierenden Weinberg-Kunst-Delta, am Philosophenweg, befindet, ist der Meinung, dass seine kraftvolle Malerei haargenau ins Fitnessstudio passt: „Das ist doch der ideale Ort für Action-Painting“, sagt er. Umgekehrt inspirierten ihn die trainierenden Menschen: „Ich habe hier viele Studien getrieben und Skizzen angefertigt.“ Von Böttcher habe er sogar schon ein Porträt gemalt. Drei Hübner-Bilder hat der Fitnessstudio-Chef selbst schon für seine Privatsammlung erworben.

Hat Hübert keine Angst, dass seine elf Originale im Tag und Nacht geöffneten Studio beschädigt werden könnten? Hübert schüttelt den Kopf: „Auf keinen Fall. Die hüten meine Kunst wie ihre Augäpfel.“ Es scheint, als sei in der Südstadt mit ihren Galerien am Weinberg und ihrer Kunstmeile Frankfurter Straße das Kunstfieber ausgebrochen. Hübert jedenfalls ist überzeugt: „Kunst steckt an.“

Friends Gym, Frankfurter Straße 94, Tel.: 4 75 54 55, www.friendsgym.de

Von Christina Hein

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