Kunstflieger Antonius Raab verließ 1933 Kassel

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Herausragende Flieger: Antonius Raab vor einem Flugzeug auf dem Flughafen Waldau. Die Aufnahme hat der Fotograf Karl Achenbach gemacht, der auch die Fotomontage von Kurt Katzenstein unter der Fuldabrücke angefertigt hat.  

Kassel. Ihre Flugzeuge hießen Schwalbe, Grasmücke, Kranich und Pelikan. Produziert wurden sie in den Hallen von Raab Katzenstein in Bettenhausen. Von allen berühmten Kasseler Kunstfliegern kam Antonius Raab (1897 bis 1985) unfreiwillig am meisten auf der Welt herum.

Das SPD-Mitglied Raab war einer der besten Kunstflieger seiner Zeit und sorgte mit einer Landung auf der berühmten Berliner Straße Unter den Linden im Juli 1923 für Schlagzeilen.

1925 gründete Raab zusammen mit Kurt Katzenstein und Anatole Gobiet die Raab-Katzenstein-Flugzeugwerke. Das Kürzel RaKa wurde schnell bekannt, die Geschäfte liefen zunächst gut. Die Weltwirtschaftskrise und die Weigerung, sich an der Wiederaufrüstung der Reichswehr zu beteiligen, sorgten 1930 dafür, dass die Firma Konkurs anmelden musste.

Produktionshallen: Bei Raab Katzenstein wurden bis 1930 Flugzeuge für die zivile Nutzung hergestellt.

Raab geriet zunehmend in den Fokus der Nationalsozialisten. Er wurde von einem SA-Mann brutal geschlagen und litt seitdem unter einer Störung des Gleichgewichtssinns. Seinen Schwiegervater aus erster Ehe prügelten die Nazis 1933 zu Tode.

Antonius Raab flüchtete im selben Jahr über Lettland und Litauen nach Griechenland. Auch dort baute er Flugzeuge, die im Spanischen Bürgerkrieg gegen den Diktator Franco eingesetzt wurden. Im April 1941 flüchtete er vor den deutschen Truppen nach Ägypten, ein halbes Jahr später nach Indien. Dort gründete er mit einem Partner nach dem Krieg die erste indische Fluggesellschaft.

Auf Drängen der Briten musste Raab wie alle anderen ehemaligen feindlichen Ausländer Indien verlassen. Zusammen mit seiner Frau ging er nach Genua. Seine Versuche, einen deutschen Pass zu bekommen, scheiterten.

Antonius Raab starb 1985 in Italien. Nach ihm sind Straßen in Waldau und am neuen Flughafen Kassel-Calden benannt.

 

Am Donnerstag, 4. April, wird der neue Flughafen Kassel-Calden eröffnet. Bis dahin erinnern wir in einer siebenteiligen Serie an Flugpioniere und die Vorläufer des heutigen Flugbetriebes vom Kasseler Forst über Waldau bis Calden.

Teil 1


Teil 2

In der nächsten Folge geht es um den Kunstflugweltmeister Gerhard Fieseler und den legendären Storch.

Von Thomas Siemon

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