Elwe-Hotel läuft - Gäste reizt Übernachtung in ehemaligem Gefängnis, es gibt aber auch Kritik

Kunstfreunde stürmen die Zellen

Auf dem Weg zur documenta: Dr. Sabine Fink (links) und Harriet Kühnemann übernachteten im Elwe-Hotel. Fotos: Malmus

Im Knast übernachten, das finden viele aufregend. Das Elwe-Hotel läuft. Laut Gotthard Fels, der das ehemalige Gefängnis mit Geschäftspartner Christopher Posch flottgemacht hat, liegen für die 90 Zellen zurzeit 7000 Buchungen vor. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Posch. „Wir sind fast immer voll.“

Schulleiterin Harriet Kühnemann und Frauenärztin Dr. Sabine Fink aus Gießen wollen ebenfalls in der Elwe übernachten. Die 55-Jährige und ihre Freundin haben eine Doppelzelle gebucht. Die Frauen sind am Samstagmorgen eingetroffen, einchecken können sie nach den Hausregeln aber erst am Nachmittag. „Es herrschen strenge Regeln im Knast“, sagt Kühnemann in ironischem Ton. „Aber es war nicht einfach, in Kassel was zu finden.“ Die Übernachtung im ehemaligen Knast sei eine willkommene Alternative gewesen. „Das ist was Spezielles“, sagt sie. „Eine gute Idee“ - auch wenn es Berührungsängste gebe.

Das meint auch Julia Franze. „Ich fand die Idee ganz witzig“, sagt sie. Die 30-Jährige arbeitet in verantwortlicher Position in einem Krimi-Verlag am Bodensee und ist mit einer Freundin nach Kassel gekommen. Franze und die Diplom-Pädagogin Annett Hüfner (38) teilen sich Zelle 232. „Zum Glück gibt’s Toiletten auf dem Flur“, sagt Franze. Das freistehende Klo in ihrem Zimmer hätten sie noch nicht benutzt. Die Gitter vor dem Fenster finden sie eher lustig.

Mehr erhofft haben sich die beiden vom abendlichen Angebot. Schließlich sei im Internet mit tollen Bildern und Events geworden worden. „Wir waren ziemlich enttäuscht“, sagt Hüfner. „Da war gar nichts. Zum Schluss saßen wir um 1 Uhr allein hier.“ Die beiden Frauen sind sich einig: Die Erfahrung reicht. „Es ist ganz witzig, aber man muss es nicht nochmal haben“, sagt Hüfner. „Dafür dass es sehr spartanisch ist, ist es auch nicht günstig.“ Für die Nacht im Doppelzimmer haben sie zusammen 72 Euro bezahlt. Frühstück kostet extra.

Knastluft schnuppern wollen auch die Kasseler Silja und Stefan Heine mit Jannik (17) und dessen amerikanischen Freunden Tyler (19) und Dusti (20), die im Hof frühstücken. Jannik findet die Elwe cool. „Wenn ich ein Hotel gesucht hätte, wäre ich wohl auch hier reingegangen“, sagt sein Vater.

Für Frühstück, Bar, Biergarten und Gourmet-Restaurant ist Hannelore Mayer-Stahl mit ihrer KulturJa GmbH zuständig. „Es läuft gut“, sagt sie. Die Bar sei bis 2 Uhr geöffnet. Wenn nichts los sei, schließe man auch früher. Demnächst soll es ein Weindorf, eine italienische Nacht und ab Mitte August ein Kulturprogramm geben. „Es tut sich noch einiges hier.“

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