Kunsthalle Fridericianum: Erste Ausstellung im September

Kassel. Die Eine macht sich sofort an die Arbeit, praktisch unmittelbar nach Aufsichtsratssitzung und Pressekonferenz, die Andere hat einige Monate Zeit, sich auf die neue Aufgabe einzustellen und einzuarbeiten: Zwei Frauen haben jetzt wichtige Positionen in der Kasseler Kunstszene übernommen.

Susanne Pfeffer und Annette Kulenkampff wurden am Freitag von Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratschef Bertram Hilgen, von seiner Stellvertreterin im Aufsichtsrat Hessens Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann, und vom 2014 scheidenden documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld im Kasseler Rathaus vorgestellt. Pfeffer als Leiterin der Kunsthalle Fridericianum, Kulenkampff als Leifelds Nachfolgerin.

„Ich bin nicht nur zufrieden, ich bin glücklich“, sagte Hilgen. Eine wichtige Klippe sei genommen, eine wegweisende, „super Wahl“ getroffen, ergänzte Kühne-Hörmann.

Susanne Pfeffer wird im September ihre erste Ausstellung präsentieren. Die „sportliche Aufgabe“, so Leifeld, war Teil des Anforderungsprofils. „Zur Museumsnacht darf das Fridericianum nicht leerstehen“, sagte Leifeld. Zehn der 45 Bewerber seien sicher in der Lage gewesen, die Rein-Wolfs-Nachfolge anzutreten, sechs stellten sich der Findungskommission vor: „Es war eine schwierige Entscheidung auf höchstem Niveau.“

Nach der Pressekonferenz (von links): Bernd Leifeld, Eva Kühne-Hörmann, Annette Kulenkampff, Susanne Pfeffer und Bertram Hilgen.

Was sie als erstes zeigen will, ließ Pfeffer offen. Grundsätzlich setzt sie auf eine Mischung von Präsentationen, die jeweils aufeinander Bezug nehmen: Gruppenausstellungen, Retrospektiven etablierter Künstler und Produktionen eigens für das Fridericianum. „Sie passt genau nach Kassel“, ist OB Hilgen überzeugt.

Hatje-Cantz-Geschäftsführerin Kulenkampff betonte, dass sie durch die Katalogherstellung für vier documenta-Ausstellungen intensiven Einblick in die neue Herausforderung genommen habe: „Ich bewundere Herrn Leifeld und sein Team.“ Alle Schwierigkeiten bei der Organisation einer Ausstellung müssten bereits bei der Katalogherstellung „auf ein pragmatisches Maß gebracht“ werden. 200 Kataloge macht Hatje Cantz im Jahr. „Da hat man mit sehr vielen künstlerischen Leitern des Kalibers einer Carolyn Christov-Bakargiev zu tun.“ Mit der d13-Chefin hat sie die Reihe der 100 Notizbücher und mehrere Katalogbände publiziert. „Wer das rechtzeitig fertigbekommt, bringt die besten Erfahrungen mit“, sagte Kühne-Hörmann.

Fotos: Zwei neue Kunst-Chefinnen für Kassel

Pressekonferenz: Zwei neue Kunst-Chefinnen in Kassel

Auch als Vorsitzende des Württembergischen Kunstvereins sei sie sehr nah am Ausstellungsmachen dran. „Ich arbeite sehr gern sehr viel für die Kunst“, sagte Kulenkampff, „ich bin bereit, sehr offen und neugierig. Das ist die Krönung meiner bisherigen beruflichen Laufbahn.“ Womöglich beginnt sie mit Werkverträgen und Aufwandsentschädigungen schon vor dem 1. Juli 2014.

Auch für Pfeffer ist die documenta-Stadt nicht unbekannt -aus privaten Gründen. Ihre „erste große Liebe“ kam aus Kassel. Eine Wohnung sucht sie aber mit einem anderen Partner. Auch das ab sofort.

Zur Person: Susanne Pfeffer

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Pfeffer, 1973 in Hagen geboren, studierte in Berlin. Dort leitete sie von 2007 bis 2012 die Kunstwerke (KW Institute for Contemporary Art). Zuvor hatte sie das Künstlerhaus Bremen geleitet. Zuletzt war sie für das MoMA PS1 in New York tätig. Pfeffer kuratierte auf den Biennalen in Sao Paolo und Lyon und für Museen in Tel Aviv, Rotterdam, Warschau und Bozen. Sie hat zahlreiche Künstlermonografien und Kataloge herausgegeben. (vbs)

Zur Person: Annette Kulenkampff

1957 in Hannover geboren, studierte Annette Kulenkampff Kunstgeschichte in Frankfurt. Anschließend leitete sie die Publikationsabteilung der Bundeskunsthalle in Bonn. Seit 1997 ist sie geschäftsführende Verlegerin des Hatje Cantz Verlags in Stuttgart, der bei den documenta-Ausstellungen 9, 10, 11 und 13 die Kataloge veröffentlicht hat. Kulenkampff ist Vorsitzende des Württembergischen Kunstvereins und gehört dem Vorstand des Galerievereins der Staatsgalerie an. (vbs)

Von Mark-Christian von Busse

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