Bundesbank-Filiale schließt im Herbst - Stadt prüft Pläne für documenta-Zentrum

Abschied aus Kassel: Die Bundesbank-Filiale am Ständeplatz wird Ende September geschlossen. Die Stadt prüft, ob sie dort ein documenta-Zentrum einrichten kann. Foto: Koch

Kassel. Die Tage der Bundesbank in Kassel sind gezählt. Die Filiale am Ständeplatz wird im Herbst geschlossen. Die Stadt hält an ihren Plänen fest, das Gebäude für die documenta nutzbar zu machen.

Mithilfe einer Machbarkeitsstudie will sie nun klären, ob das Gebäude für die Ansiedlung des documenta-Zentrums samt Archiv oder alternativ nur für das documenta-Archiv geeignet ist. Geprüft werden soll auch, ob gegebenenfalls das bislang im Marstall angesiedelte Stadtarchiv dort untergebracht werden könnte. Dies teilte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen (SPD) auf Anfrage der CDU-Fraktion nun im Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit.

Das Gebäude zwischen Stadtmuseum und Ständehaus gehört der Bundesbank, die bis 2015 bundesweit 13 von 48 Filialen schließt. Es soll verkauft werden. Als die Pläne zur Aufgabe der Kasseler Niederlassung vor über zwei Jahren bekannt wurden, schlug Hilgen vor, am Ständeplatz ein „Europäisches Zentrum für das Kuratorische“ einzurichten. Allerdings war damals noch das Archiv des früheren documenta-Leiters Harald Szeemann als zentraler Baustein des Kasseler Instituts im Gespräch, das die Geschichte der documenta und des Ausstellungsmachens unter einem Dach vereinen sollte. Der Ankauf des Archivs, um den sich Stadt und Land gemeinsam mit den Kulturstiftungen des Bundes und der Länder bemühten, scheiterte aber. Der Nachlass des Schweizer Kurators der documenta 5 (1972) ging in die USA.

Laut Hilgen hat der Gutachterausschuss für Immobilienwerte den Verkehrswert des Bundesbank-Gebäudes auf 2,5 Millionen Euro beziffert. Nach einer ersten, allerdings nur groben Schätzung seien samt Umbau fünf bis sechs Millionen Euro nötig, um das documenta-Zentrum am Ständeplatz zu realisieren. Die Bundesbank selbst wolle erst kurz vor der Aufgabe des Gebäudes zwei Gutachten zum Verkehrswert erstellen lassen. Sollten die Pläne für das documenta-Zentrum Wirklichkeit werden, könnte die freie Szene im Kulturhaus Dock 4 bleiben, das ebenfalls als Standort im Gespräch ist.

Die Kasseler Niederlassung wird nach Auskunft der Bundesbank am 30. September 2012 geschlossen. Die 40 Mitarbeiter würden in andere Filialen versetzt, etwa nach Gießen oder Göttingen, teilte Moritz August Raasch von der Pressestelle der Bundesbank in Frankfurt auf Anfrage mit. Es stünde ihnen auch frei, auf andere Stellen in der öffentlichen Verwaltung zu wechseln.

Wie schnell die Stadt ihre Pläne umsetzen kann, hängt laut Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier vom Umfang der Umbauarbeiten ab und davon, wie schnell das Vorhaben finanziert werden kann.

Von Ellen Schwaab

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