Rücktrittsgesuch der Interims-Rektoren

Die Kunsthochschule protestiert: Zahlreiche Professuren sind derzeit vakant

Kassel. Es brodelt an der Kunsthochschule der Universität Kassel: Studierende wollen am Donnerstag mit einer Demonstration auf die ihrer Ansicht nach unhaltbaren Zustände im Bereich der Lehre hinweisen.

Außerdem haben nach Informationen der HNA die derzeitigen stellvertretenden Rektoren Prof. Joel Baumann und Prof. Jakob Gebert den Uni-Präsidenten um sofortige Entlassung aus dem Amt gebeten. Der Rektorenposten ist seit Juni unbesetzt.

Auf Anfrage wollten sich die Interims-Rektoren nicht zu den Vorgängen äußern. In einem internen Schreiben der Kunsthochschule, das der HNA vorliegt, heißt es zur Begründung, die Teilautonomie der Kunsthochschule sei von der Uni-Leitung „auf mikroskopische Größe“ reduziert worden. Ein Drittel der 30 Professuren an der Kunsthochschule sei zurzeit vakant. Fünf von zehn Berufungsverfahren seien abgeschlossen, würden aber „durch das Präsidium mit nicht nachvollziehbarer Begründung blockiert.“ Der Lehrbetrieb könne so nicht in vertretbarer Qualität aufrechterhalten werden.

Das sehen auch die Studierenden so. Der Protest organisiert sich hier schwerpunktmäßig im Studiengang Bildende Kunst, wo derzeit fünf von neun Professuren unbesetzt sind. Der Ersatz durch jeweils halbe Gastprofessuren sei unzureichend und biete den Studenten keine kontinuierliche Betreuung, lautet die Kritik.

Für vier der vakanten Stellen – eine Professur für die Basisklasse sowie die Professuren der Fachklassen Malerei, Performance und Skulptur – waren zwar bereits Nachfolger ausgewählt. Problem bei den laufenden Berufungsverfahren ist aber offenbar, dass dabei die Schwerbehindertenvertretung nicht vorschriftsgemäß eingeschaltet wurde. „Die Universitätsverwaltung hat der Kunsthochschule den Rat gegeben, die schwerbehinderten Bewerber nachträglich einzuladen“, teilte Uni-Sprecher Dr. Guido Rijkhoek mit. Die Verfahren seien in die Verlängerung gegangen. Man sei aber optimistisch, sie bald positiv abschließen zu können.

Den Studierenden platzt derweil der Kragen. „Die Lehre ist derzeit nicht ausreichend gewährleistet - so kann man nicht studieren“, formuliert es stellvertretend für seine Kommilitonen Christian Ferschl, einer der Organisatoren des Protests.

Deshalb wollen die Studenten am Donnerstag ab 13 Uhr unter dem Motto „Wir verabschieden uns aus Kassel“ mit gepackten Koffern vom Fridericianum zum Campus am Holländischen Platz marschieren. Damit wolle man zeigen, dass die unerträglichen Bedingungen in der Lehre die Studenten vergraulen.

Von Katja Rudolph

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