Kunsthochschulstudenten fühlen sich wegen unbesetzter Professuren schlecht betreut

Fordern Verbesserung der Lehre: Die Kunsthochschulstudenten Christian Ferschl (von links), Stefan Hüber, Marina Rüdiger, Florian Bode und Astrid Lange sind wie viele ihrer Kommilitonen unzufrieden mit den Studienbedingungen. 200 Unterschriften sind schon gesammelt, die Liste mit den Forderungen soll heute bei einer Demo der Universitätsleitung übergeben werden. Foto: Rudolph

Kassel. Leere in der Lehre: Studenten der Kunsthochschule Kassel fühlen sich wegen zahlreicher unbesetzter Professorenstellen schlecht betreut. Wie berichtet, werden heute 150 Teilnehmer zu einer Demonstration erwartet, mit der die Studierenden auf die Missstände aufmerksam machen und Verbesserungen fordern wollen.

Vor allem im Studiengang Bildende Kunst, wo fünf von neun Professuren seit diesem und teilweise auch dem vorigen Semester unbesetzt sind, ist der Unmut der Studierenden groß.

Die beiden Basisklassen-Professuren für das zweisemestrige Grundlagenstudium werden übergangsweise durch je halbe Vertretungsprofessorenstellen ersetzt. „Jede Woche wechselt der Dozent für unsere Basisklasse, da kann keine Kontinuität in der Betreuung aufkommen“, sagt Florian Bode, der im ersten Semester studiert. „Bei vielen entsteht dadurch eine Unsicherheit in Bezug auf die eigene Arbeit - weil in wöchentlichem Wechsel unterschiedliche Anregungen und Kritikpunkte kommen.“

In der Basisklasse, wo man sich in das künstlerische Arbeiten hineinfinden und grundsätzlich orientieren müsse, seien feste Ansprechpartner wichtig, ergänzt Marina Rüdiger, die bereits vor dem Ende ihres Studiums steht. Weil die Professur der Fachklasse Skulptur aber vakant ist, will die Studentin ihren Abschluss noch aufschieben. „Ich warte erst mal ab, was passiert.“ Eine Notlösung will sie nicht.

Ihre Kommilitonin Astrid Lange will und muss das Studium in Regelzeit abschließen, auch wegen der Bafög-Finanzierung, und muss in den sauren Apfel beißen. Dass die Prüfer, die sie sich jetzt gesucht hat, ihren künstlerischen Werdegang nicht im Detail kennen, bereitet ihr Bauchschmerzen. „Über Kunst zu sprechen, ist etwas anderes als eine Prüfung in einer Wissenschaft abzunehmen. Bei uns ist es enorm wichtig, dass man ein Verhältnis zu seinem Professor aufbaut“, sagt die 31-Jährige. Und das brauche nun mal Zeit.

Den Professoren könne man keinen Vorwurf machen. Diejenigen mit festen Stellen seien durch die vielen Vakanzen völlig überlastet, die Vertretungsprofs müssten sich erst einarbeiten und hätten wegen der halben Stellen naturgemäß weniger Zeit.

Vor einigen Jahren sei die Stimmung an der Kunsthochschule motivierter gewesen, erinnert sich Astrid Lange. „Jetzt versucht jeder, sich irgendwie durchzuwurschteln, aber wegen der fehlenden Konstanz gibt es keine Struktur.“ Es sei ein Gefühl wie auf einem sinkenden Schiff. Mittelfristig, befürchten die Studenten, werde auch der Ruf der Kunsthochschule leiden, wenn viele sonst qualifiziert besetzte Professuren nur übergangsweise und mit halber Stelle vertreten werden.

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.