40 Menschen bei erstem „Video Walk“ im Kulturbahnhof nach der documenta 13

Video Walk: Ein Stück documenta 13 bleibt im Kulturbahnhof

Kassel. Jetzt wandeln sie wieder durch den Kulturbahnhof, die Blicke im Wechsel auf den Bildschirm eines kleinen Abspielgeräts und in die Bahnhofshalle gerichtet. Am Sonntag kam im Hauptbahnhof wieder documenta-Atmosphäre auf.

Zum ersten Mal seit der Ausstellung war das beliebte Kunstwerk „Alter Bahnhof Video Walk“ wieder erlebbar.

Die Stadt Kassel hat die Arbeit des kanadischen Künstlerpaars Janet Cardiff und Georges Bures Miller gekauft und gibt ab April an jedem ersten Sonntag im Monat die Media-Player aus, mit denen man sich auf einen Rundgang durch den Bahnhof machen kann. Mehr als 40 Menschen waren zum ersten Termin am Sonntag gekommen.

Mit dem regelmäßigen Angebot werde man erst nach dem Ende der Kälteperiode beginnen, erklärte Kulturamtsleiterin Dorothee Rhiemeyer. Den Auftakt habe man aber bereits jetzt, parallel zur zehn Tage zuvor eröffneten Schau der documenta-Erwerbungen in der Neuen Galerie, machen wollen. Der Video Walk kann nicht im Museum, sondern nur vor Ort präsentiert werden: Weil auf dem Abspielgerät Aufnahmen aus dem Kulturbahnhof zu sehen sind, funktioniert der 26-minütige Rundgang nur dort. Für den Betrachter vermischen sich die eigene Wahrnehmung des Bahnhofsraums mit den Bilder und Geräuschen aus dem Video.

Ingeborg und Adolf Richter gehörten zu den Ersten, die am Sonntag den Rundgang machten, nachdem sie der kurzen Einführung von Ulrike Ortwein, einer der Kunstvermittlerinnen der d13, gelauscht hatten. „Während der documenta waren uns die Schlangen zu lang“, sagt die 72-jährige Kasselerin. Weil sie und ihr Mann aber so viel Gutes über das Kunstwerk gehört hätten, seien sie froh, die verpasste Gelegenheit nachholen zu können. Die moderne Technik war dem Ehepaar zwar erst etwas fremd, nach dem halbstündigen Rundgang waren beide aber restlos begeistert. Besonders der Abschnitt am Gleis 13, von wo 1942 über 2000 Menschen in Konzentrationslager deportiert wurden, habe ihn berührt, sagt Adolf Richter. Der doppelte Blick auf die Bahnhofs-Realität und die Bilder im Video habe sie fasziniert, ergänzt seine Frau: „Das kann man nicht erzählen, dass muss man einfach selbst erleben.“

Auch Annette und Jörg Westermann aus Kassel waren angetan vom Video Walk. „Die Dopplung der Wahrnehmung ist schon verwirrend“, sagt Annette Westermann. „Einmal bin ich zusammengezuckt, weil ich dachte, ein Skateboard-Fahrer fährt mich gleich um.“ Dabei waren es nur Geräusche aus dem Kopfhörer. Besonders der Schluss mit der Tanzszene in der Bahnhofsvorhalle habe ihr gut gefallen, sagt Westermann. Das Ehepaar will den Rundgang weiterempfehlen – zuerst an seine beiden Töchter.

HINTERGRUND

Ab April an jedem ersten Sonntag im Monat Der Video Walk von Janet Cardiff und Georges Bures Miller war eines der populärsten Werke der d13, die im September zu Ende ging. Die Stadt Kassel hat das Kunstwerk - ohne Beteiligung des Landes und der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) - angekauft und macht es jetzt wieder erlebbar. Ab April können am jeweils ersten Sonntag im Monat, 11.30 Uhr, die Video-Abspielgeräte am Offenen Kanal im Kulturbahnhof ausgeliehen werden. Das nächste Mal also am 7. April.

Der Video Walk durch den Kulturbahnhof dauert eine halbe Stunde. Die Ausleihe kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Als Pfand außerdem den Personalausweis mitbringen. Anmeldung (auch für Gruppenführungen zu vereinbarten Terminen) beim Stadtmuseum unter Tel. 787 1400 oder per E-Mail an stadtmuseum@kassel.de

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