Tausende bei Tattoo- und Piercingmesse in der Elwe

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Kassel. Nadeln surren, Bässe wummern, auf den Gängen herrscht Hochbetrieb: Tausende aus ganz Deutschland zog es am Wochenende zur Tattoo- und Piercing-Show in die Elwe. In dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis an der Leipziger Straße 11 tummelte sich die Szene.

Offizielle Webseite

www.tattoo-show-kassel.de

In den einstigen Zellen zeigten 100 Meister ihres Fachs drei Tage lang ihr Können. Händler boten ausgefallene Outfits und Accessoires an. Angesichts der bevorstehenden documenta hatte die Kasseler Veranstalterin Jenny Franke („Jenny B.“) ihre „Jailhouse Ink“ diesmal unter das Motto Tattoomenta gestellt.

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Dieser Artikel wurde am Sonntag um 18.30 Uhr aktualisiert

Ist Tätowieren Kunst? „Auf jeden Fall“, sagt Andreas Ludolph. „Jedes einzelne Tattoo ist ein Kunstwerk.“ Mit 14 ließ sich der Kasseler das erste Tattoo stechen, am Samstag das 14.: Ein Kreuz mit den Namen seiner toten Eltern ziert nun seine rechte Schulter. Dass es die Bilder auf der Haut im etablierten Kunstbetrieb schwer haben, wundert ihn nicht. „Weil früher nur Seeleute und Knastis tätowiert waren, fehlt die Anerkennung.“ Ehefrau Yvonne ließ sich in der Elwe ebenfalls ein weiteres Tattoo stechen. Tochter Leonie (13) durfte nur zusehen. „Sie soll noch fünf Jahre warten“, sagt der Vater.

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Monika Baumann will kein Tattoo. „Für mich käme das nicht infrage“, sagt die 45-Jährige. Auch wenn sie Tattoos für sich ablehnt: Kunst sei das allemal. Eben nur auf der Haut anstatt auf Papier oder an der Wand. Und etwas ganz Besonderes, wenn Maori-Meister wie Tangaroatuane aus Neuseeland zur Nadel griffen. Ehemann Jörg, von Beruf Feuerwehrmann, ließ sich von dem kriegerisch aussehenden Tattoo-Künstler und ehemaligem Priester geduldig verschönern.

Fotos: Tattoomenta in Kassel

Tattoomenta in Kassel: Hier wird scharf gestochen

Kurzclip 1: Tattoomenta in der Elwe

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Für die Studenten Melanie Vogelpohl und Felix Sieker ist Tätowieren Kunst und Handwerk zugleich. „Ich finde das ist genauso Kunst wie das, was in der Aue in einem Zelt ausgestellt wird“, sagt der 25-Jährige, der sich einen Anker und ein Papierschiffchen auf den Körper malen lassen wollte. „Das finde ich lustig“, sagt er voller Vorfreude.

Als „Fan der Tätowierkunst und Freund des trashigen Tattoos“ präsentierte sich auf der Bühne im Hof der prominente Kriminalbiologe und Autor Dr. Mark Benecke, der unter anderem durch Fernsehauftritte bekannt wurde. Ein Urteil über die Tattoos auf seiner Haut wollte er nicht abgeben. „Ob das Kunst ist, muss jemand anderes entscheiden.“

Kurzclip 2: Tattoomenta in der Elwe

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Wie dem auch sei: Die Szene feierte: Für San-Quentin-Feeling sorgte Gunter Gabriel, der am Samstagabend mit seinem Johnny-Cash-Programm für Gänsehaut im Gefängnishof sorgte. Der war tagsüber Ort einer „Art Battle“, einer wahren Kunstschlacht.

Fotos: Gunter Gabriels Auftritt im Knast

Gunter Gabriels Auftritt bei der Tattomesse im Knast

Fotos: Tattoomenta: Auftaktparty im Ex-Knast

Tattoomenta-Party in der Elwe

Von Ellen Schwab

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