Kassel: Drei Jahre Drogentherapie für heroinabhängigen Kupferdieb

Kassel. Egal, wie stark man sich fühle, sagt der Mann auf der Anklagebank: „Die Scheiß-Droge gewinnt immer.“ Der 37-Jährige weiß, wovon er spricht: Binnen weniger Jahre ist er vom Familienvater und Eigenheimbesitzer zum Heroin-Junkie geworden – und zum Seriendieb.

Um seine Sucht zu finanzieren, klaute er immer wieder Kupferkabel und Edelstahlbleche und montierte Regenrohre von Kirchen und Wohnhäusern ab.

Am Dienstag wurde der gelernte Bauschlosser vom Amtsgericht zu drei Jahren Haft verurteilt. Was ihn zu freuen schien: In der Untersuchungshaft, erzählte er, sei er notgedrungen endlich ohne Drogen ausgekommen. „Erst das Wegsperren hat mir geholfen“, sagte der 37-Jährige. „Bewährung nutzt mir nichts.“

Jetzt will er seine Heroin-Vergangenheit hinter sich lassen. Und das Urteil eröffnet ihm diese Chance: Statt ins Gefängnis soll er in eine Drogentherapie gehen. Darin waren sich alle Verfahrensbeteiligten ebenso einig wie beim Strafmaß. Nur wenn er rückfällig wird, muss er die Strafe noch verbüßen. „Wir wünschen Ihnen alles Gute“, sagte Richterin Schiborr – und zeigte sich zuversichtlich.

Denn trotz seines nicht mehr jugendlichen Alters hat der Angeklagte noch keine lange Drogenkarriere hinter sich. Erst vor wenigen Jahren begann er, Heroin zu nehmen. Aus Frust über sein Leben, das zusammengebrochen war: Seine Frau hatte sich von ihm getrennt, dann verlor er seinen Führerschein und damit seinen Job als Fernfahrer. Und schließlich musste er auch noch sein Haus aufgeben, weil er sonst keine Hartz-IV-Leistungen bekommen hätte.

Beutezug zwischen Juni und September

In der Abwärtsspirale bot ihm die Droge Halt – vermeintlich. „Heroin hat ein eigenes Leben“, sagte der 37-Jährige. „Es fesselt einen und man merkt nicht, wie immer mehr verloren geht.“ Um sich mit Stoff versorgen zu können, ging er allein zwischen Juni und September 2010 in 15 Nächten auf Beutezug. Unter anderem riss er an der katholischen Kirche St. Maria acht kupferne Regenrohre ab, um sie bei einem Schrotthändler zu Geld zu machen. An der Friedenskirche waren es sogar elf. Und von der Baustelle der Neuen Galerie stahl er mehrere Rollen Kupferkabel.

Wegen ähnlicher Taten war der Mann bereits 2010 zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, die in das neue Urteil einfloss. Geschert hatte ihn der Prozess damals nicht: Sowohl kurz vor als auch kurz nach der Verhandlung war er auf Diebestour gegangen. „Dazu hat mich mein Körper einfach gezwungen“, erklärte der Mann nun. „Ich hatte keine Wahl.“

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