Sanierung des Kulturdenkmals abgeschlossen - Ausstellung zur Badekultur

Kurbad ist nun Museum

Für Technikfreunde: Im Kasseler Bademuseum ist auch eine Kollektion alter Wasserhähne zu sehen. Günter Wagner vom Förderverein führt bei der Eröffnung fachkundig durch die Ausstellung. Fotos: Koch

Unterneustadt. Zinkbadewannen in verschiedenen Formen und Größen, ein hölzerner Badezuber auf Rädern, alte Wasserhähne und Handgriffe aus Porzellan für die Toilettenspülung: Diese und weitere Zeugnisse der Badekultur sind in dem kleinen Bademuseum im Kurbad Jungborn zu sehen, das am Sonntag, 28. August, 11 Uhr, eröffnet wird. Nach jahrelanger und mühevoller Arbeit ist die Sanierung des Kulturdenkmals an der Drahtbrücke fast abgeschlossen.

Das neu eingerichtete Museum lässt die Geschichte des Kurbads an der Fulda und der Badekultur in Kassel Revue passieren. Da wegen des begrenzten Raumes nicht alles auf einmal gezeigt werden kann, soll es wechselnde Ausstellungen geben. Zum Auftakt dreht sich alles um das Baden zu Hause und in der Fulda. In der „Wellenbad-Schaukel“ zum Beispiel konnte man sich der Illusion vom Urlaub am Meer hingeben. „Das war der billige Ersatz der kleinen Leute, die nicht an die Nordsee fahren konnten“, sagt Günter Wagner vom Vorstand des Fördervereins Kurbad Jungborn. Er hat sich intensiv mit der Geschichte des Kurbades und der Kulturgeschichte des Badens befasst und stellt bei der Eröffnung das Museumskonzept vor.

Anfangs Flussbad

Großformatige Fotos an den Wänden des von Bettina Trauwein und Dr. Joachim Wondrak geführten Cafés nebenan erinnern an die Anfänge des Kurbads als Flussbad, das später als Sinningsche Badeanstalt Wannen-, Dampf- und andere Bäder anbot. Sinning war laut Wagner auch der erste in Kassel, der es wagte, ein Damenbad anzubieten. Die Fotos zeigen auch einen Badeplatz in Wolfsanger mit Badenden und dem Dampfer Elsa sowie Badeschiffe auf der Fulda.

Das Kurbad Jungborn wurde bis 1997 betrieben. Der Förderverein hat zwei der Badekabinen mit Terrazzoboden wieder hergerichtet - eine im Stil der 1930er-Jahre mit Bidet und Badeofen. Künstler Heiko Schulze, dem man im Turm des Kurbads über die Schulter schauen kann, hat tatkräftig mitgeholfen. Unterstützung kam auch von den Wassersportfreunden Kassel.

„Jedem Deutschen einmal in der Woche ein Bad“ - unter dieser Losung nahm die Badekultur vor über 100 Jahren ihren Anfang. Aus heutiger Sicht mutet dies befremdlich an. „Um 1900 kam die große Hygienewelle durch Deutschland“, sagt Günter Wagner. „Damals gab es in der Unterneustadt und in der Altstadt keine Badezimmer.“

Die Wannenbäder im Kurbad seien deshalb sehr beliebt gewesen. Allerdings waren sie für damalige Verhältnisse recht kostspielig. 50 Pfennige habe ein Bad gekostet, sagt Wagner, ein Glas Bier 15 Pfennige. Ein Bad war damals ein kleiner Luxus. www.kurbad-jungborn.de

Bademuseum im Kurbad Jungborn, Sternstraße 20. Eröffnung am Sonntag, 28. August 11 Uhr. Führung ab 12 Uhr. Öffnungszeiten mittwochs bis sonntags 14-18 Uhr. Zu diesen Zeiten ist auch das Café mit Terrasse an der Fulda geöffnet.

Von Ellen Schwaab

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