Einkaufsgalerien stemmen sich gegen den Online-Handel

Kurfürsten Galerie in Kassel soll aufgewertet werden

Derzeit am stärksten von Leerständen betroffen: Die Kurfürsten Galerie an der Mauerstraße soll in den kommenden Wochen im Erdgeschossbereich aufgewertet werden.
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Derzeit am stärksten von Leerständen betroffen: Die Kurfürsten Galerie an der Mauerstraße soll in den kommenden Wochen im Erdgeschossbereich aufgewertet werden.

Die goldenen Zeiten sind zwar vorbei, aber noch immer sind die Einkaufsgalerien die großen Magneten in der Kasseler Innenstadt: Wir haben mit den Betreibern von Kurfürsten Galerie, Königs-Galerie und City Point darüber gesprochen, wie sie durch die harten Pandemie-Monate gekommen sind

Kassel – Die Corona-Pandemie hat auch vor den großen Einzelhandelsmagneten nicht Halt gemacht. Das sagen die Managerinnen und Manager der Galerien über die aktuelle Situation und die Perspektiven:

Kurfürsten Galerie

Sie ist die älteste unter den Kasseler Galerien: Die 1991 eröffnete Kurfürsten Galerie bietet 11 000 Quadratmeter Geschäftsfläche. Sie gehört seit 2015 der Demire Deutsche Mittelstand Real Estate AG in Frankfurt. Das börsennotierte Unternehmen hält deutschlandweit Gewerbeobjekte und hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Leerstandsquote aus 2015 (damals sechs Prozent) durch Investitionen zu reduzieren. Derzeit stehen zwölf der 40 Geschäftsflächen in der Galerie leer. Ein Leerstand wurde durch ein Corona-Testzentrum belegt.

Michael Tegeder von der Demire AG sieht die Galerie aber im Aufwind. Durch die Öffnung der Geschäfte nach dem harten Lockdown und der Einrichtung der Corona-Teststelle habe man zahlreiche zusätzliche Kunden gewinnen können. Eine Frequenz-Zählung der Besucher gebe es in der Galerie nicht. Diese sei aber im Zuge einer „Aufwertung“ der Galerie angedacht. Die Arbeiten für die Aufwertung sollen im Juli starten und bereits im August abgeschlossen sein. „Wir gestalten den Boden, die Decken und Wände im Erdgeschoss der Mall neu, zudem wird Mobiliar installiert. Die Kosten befinden sich im hohen sechsstelligen Bereich“, sagt Tegeder.

Natürlich sei auch die Kurfürsten Galerie von den Auswirkungen der Pandemie betroffen gewesen. „Wir haben die Zeit genutzt und unter Einbeziehung von renommierten Einzelhandelsexperten ein neues Konzept für die Galerie entwickelt, das wir nun – zusammen mit einigen Investitionsmaßnahmen – umsetzten werden.“ Es umfasse neben einer abwechslungsreichen Einzelhandelsausrichtung auch attraktive Gastro- und Aufenthaltsflächen. „So sind wir überzeugt, dass es sich in Zukunft für Kunden und Mieter lohnt, in der Galerie zu weilen“, sagt Tegeder.

Das Verweilen in der Innenstadt gewinne immer mehr an Bedeutung. Deshalb müssten Events, Märkte, Sonderveranstaltungen und Ähnliches organisiert werden. So könne die Stadt einen Mehrwert gegenüber dem Online-Handel bieten.

Königs-Galerie

Die 1995 eröffnete Einkaufsgalerie bietet 14 500 Quadratmeter Geschäftsflächen, verteilt auf 60 Läden und Gastronomien. Sie gehört seit 2017 der HT Königsgalerie GmbH, einer Tochter der Hanseatic Group aus Hildesheim. Aktuell stehen fünf Geschäfts- und Restaurantflächen leer. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Galerie-Manager Heinz Schäffer. Zwei Mietverträge seien explizit wegen der Pandemie nicht verlängert worden.

Ein Drittel der Kunden fehlt noch: Königs-Galerie kam mit blauem Auge durch die Krise.

Durch eine Frequenzzählung am Eingang habe er ein gutes Bild über die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf die Besucherströme. Während des harten Lockdowns, als nur der Lebensmittelhandel und die Drogerie in der Galerie öffnen durften, habe es einen Rückgang um 75 Prozent gegenüber der Vor-Corona-Zeit gegeben. Inzwischen hätten sich die Zahlen erholt. „Es fehlen aber immer noch 30 bis 35 Prozent gegenüber dem Januar 2020“, sagt Schäffer. Normalerweise würde die Galerie an Wochentagen von 12 000 bis 13 000 Menschen besucht, aktuell seien es noch 8500. „Noch sind Angst und Verunsicherung der Menschen nicht weg. Aber wer kauft, der kauft mehr“, ist Schäffers Erfahrung.

Vor allem fehlten noch die Kunden aus dem Umland: Früher sei die Tiefgarage voll gewesen mit Autos aus Eschwege, Göttingen, Hofgeismar, Paderborn. Schäffer ist aber froh, dass durch die Wiederöffnung der Gastronomie die Verweilqualität in der Innenstadt wieder gestiegen ist. Dies sei essenziell für eine lebendige Innenstadt. Bei seinen Rundgängen durch die Königsstraße und Wilhelmsstraße habe er kürzlich 40 Leerstände gezählt. „Wir müssen uns neu erfinden in der Innenstadt“, so der Geschäftsmann. Dann sei er optimistisch, dass die Menschen zurückkehren.

City Point

Der City Point wurde 2002 auf dem Königsplatz eröffnet. Er bietet, verteilt auf über 70 Shops, 20 000 Quadratmeter Geschäftsflächen. Damit handelt es sich um Kassels größte und modernste Galerie. Sie gehört seit Beginn zur ECE-Gruppe in Hamburg, der auch das Dez in Niederzwehren angehört.

Noch ist auch hier die Pandemie zu spüren: Auch im City Point hat sich die Besucherfrequenz noch nicht wieder normalisiert.

Aktuell stehen im City Point drei Geschäftsflächen leer, zudem hat Nordsee geschlossen. In einem weiteren Leerstand eröffnet im Juli „Myfit 24“, ein Anbieter von Sportnahrung. Auch der Imbiss „Fries Lovers“ steht in den Startlöchern. Im Erdgeschoss wird aktuell der dm-Drogeriemarkt erweitert.

Die Leerstände hätten durch die Pandemie nicht zugenommen, sagt City Point-Managerin Jessica Reinhardt. Der Wechsel sei auf die Laufzeiten der Mietverträge zurückzuführen.

Reinhardt sieht eine kontinuierliche Verbesserung der Lage: „Seitdem Shopping ohne Test und Termin wieder möglich ist, sind die Frequenzen angestiegen. Weiterhin gelten jedoch die Personenbegrenzungen pro Quadratmeter in den Shops und im Center, wodurch es zu keiner Menschenansammlung kommen kann. Unter der Woche können wir teilweise schon wieder die Vorjahreswerte erreichen, liegen jedoch noch unter den Werten von 2019.“

Auch die Mieter seien zufrieden. „Sie spiegeln mir wider, dass die Menschen bereit sind, Geld auszugeben nach so einer Zeit der Entbehrung. Man merkt richtig, dass die Menschen Lust haben, wieder rauszugehen und etwas zu erleben“, sagt Reinhardt.

Für die Innenstadt wünscht sie sich für die Zukunft ein Mischkonzept aus Verkauf, Gastronomie, Unterhaltung, Wohnen und Arbeiten. Hinzu kämen Kriterien wie Sauberkeit, Sicherheit und Mobilitätsangebote. (Bastian Ludwig)

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