7405 Menschen wurden 2013 vom Gesundheitsamt geschult

Lebensmittel-Verkauf: So schützt man sich gegen Keime

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Vorsicht mit Sahnetorten im Sommer: Die Experten vom Gesundheitsamt raten davon ab, diese auf Vereinsfesten anzubieten. Viel besser eigneten sich durchgebackene Kuchen.

Kassel. Das Gesundheitsamt schult immer mehr Menschen, die mit Lebensmittel zu tun haben. Das Ziel: Die Übertragung von Keimen zu verhindern. Darum müssen nicht nur in der Gastronomie Beschäftigte ran, sondern auch Ehrenamtliche, die Kuchen bei Vereinsfesten verkaufen.

Keime lauern überall: In rohem Fleisch, in Eieren, auf nassen Putztüchern und auf ungewaschenen Händen. Campylobacter sind in Deutschland die häufigsten bakteriellen Erreger von Brechdurchfällen. Sie treten vor allem im Sommer auf. Im vergangenen Jahr wurden beim Gesundheitsamt 109 Fälle aus der Stadt und 142 aus dem Landkreis Kassel gemeldet. Campylobacter werden durch Lebensmittel oder von Mensch zu Mensch über eine Schmierinfektion übertragen.

Tipps für die Hygiene in der Küche

Die Schulung beim Gesundheitsamt ist in erster Linie für Menschen, die in der Gastronomie oder in einem Lebensmittelgeschäft arbeiten, gedacht. Dort gibt es aber auch gute Tipps für jeden Privathaushalt, bei dem auf Hygiene geachtet wird. Einige Beispiele:

Nach jedem Toilettengang und nach jedem Arbeitsgang müssen die Hände mindestens 30 Sekunden unter fließendem Wasser gewaschen werden. Man sollte Flüssigseife benutzen, da sich auf feuchten Seifenstücken zahlreiche Keime niederlassen. Beim Waschen müssen Ringe abgelegt werden (Schmuck ist in der Gastronomie ohnehin tabu). Lange Fingernägel und Nagellack haben dort auch nichts zu suchen. Nach dem Waschen die Hände mit Papierhandtüchern trocknen, da sich in normalen Handtüchern Keime sammeln.

Putztücher und Arbeitskleidung müssen bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, um alle Keime zu vernichten.

Einmalhandschuhe, die gern an Verkaufstheken benutzt werden, sollte man mit großer Vorsicht betrachten. Die bringen nämlich nur etwas, wenn sie für einen einmaligen Vorgang benutzt werden. Oft beobachte man, wie eine Verkäuferin mit einem Einmalhandschuh erst rohes Hähnchenfleisch und anschließend einen Maiskolben anfasse. Die Keime vom Geflügel werden auf das Gemüse übertragen. „Dreckige Einmalhandschuhe sind genauso gefährlich wie dreckige Hände“, sagt Claudia Stolfo.

Weitere Informationen zu den Kursen und Inhalten finden Sie hier.

Eine Erstbelehrung über Lebensmittelhygiene kostet 26 Euro, für Vereinsmitglieder nur 10 Euro (hier werden auch gesonderte Kurse angeboten). Nur die Erstbelehrung findet im Gesundheitsamt statt. Folgebelehrungen (nach zwei Jahren) können in den Betrieben und Vereinen selbst organisiert werden.

Damit das Risiko der Übertragung von Campylobacter, Salmonellen, Noroviren und anderen Keimen vermindert wird, schreibt das im Jahr 2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz eine Belehrung von Personen, die bei ihrer Arbeit mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, durch das Gesundheitsamt vor. Denn ältere und kranke Menschen sowie Säuglinge können an solchen Infektionskrankheiten sterben.

Die Teilnehmerzahl der Schulungen im Gesundheitsamt steige von Jahr zu Jahr, sagt Claudia Stolfo, die in der Hygienabteilung arbeitet und für die Schulungen zuständig ist. „Das liegt daran, dass immer mehr Menschen sich im Lebensmittelbereich etwas dazu verdienen wollen. Getrunken und gegessen wird schließlich immer.“ Im Jahr 2009 gab es in Stadt und Kreis 4433 Menschen, die geschult worden sind, im vergangenen Jahr waren es bereits 7405, die eine Bescheinigung bekommen haben.

An solch einer einstündigen Schulung müssen aber nicht nur Menschen, die in der Gastronomie oder in einem Lebensmittelmarkt arbeiten, teilnehmen, sondern auch Eltern, die für alle Kinder in einer Kita kochen oder Mitglieder von Vereinen, die große Feste für die Öffentlichkeit ausrichten.

„Je mehr Menschen zu einem Fest kommen, desto höher wird das Infektionsrisiko“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes. Es würden aber nur sehr selten Fälle gemeldet, dass Infektionskrankheiten bei Vereinsfesten übertragen worden sind. „Die meisten Beschwerden bekommen wir über die Gastronomie und Fleischereien“, sagt Müller. Vor einigen Jahren sei es aber vorgekommen, dass 16 Mitglieder eines Kleingartenveris an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt seien. Es habe sich herausgestellt, dass alle einen Obstsalat mit Eierschnee gegessen hatten.

Man wolle mit den Schulungen von Vereinsmitgliedern die Ehrenamtlichen nicht vor den Kopf stoßen, sagt Stolfo. „Es ist wichtig, dass dieses Engagement aufrecht erhalten wird.“ Nichtsdestotrotz müssten Grundregeln der Hygiene vermittelt würden.

Sobald man Lebensmittel für große Feste zubereite oder verkaufe, übernehme man eine besondere Verantwortung, sagt Stolfo. Es sei schon ein Unterschied, ob man in seinem Garten Würstchen für zehn Gäste brate oder am „Tag der Erde“ mit vielen tausend Besuchern einen Grill aufbaue. Da könne es nicht angehen, dass die Würstchen einfach in einem Sieb auf dem Rasen gelagert werden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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