Kurzflirt für eine Lehrstelle: Studienabbrecher im Gespräch mit Unternhemen

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Speeddating: Luka Hast informiert sich bei Geschäftsführerin Simone Susewind über Ausbildungsmöglichkeiten beim Kasseler Unternehmen Föbus Haustechnik und Bauservice.

Kassel. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich nach dem Schulabschluss für ein Studium. Damit steigt auch die Zahl der Studienabbrecher. Die haben mittelständische Unternehmen in der Region jetzt im Fokus.

Denn immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt, in der Region sind es laut der Agentur für Arbeit mehr als 4000 jedes Jahr quer durch alle Branchen. Etwa 60 Studienabbrecher nutzten am Mittwoch in der Handwerkskammer Kassel die Gelegenheit, bei einem Speeddating - in zehnminütigen Gesprächen - mit heimischen Unternehmen in Kontakt zu kommen, sich vorzustellen und Einblicke in Ausbildungsmöglichkeiten zu bekommen. 20 Unternehmen beteiligten sich daran.

„Man bekommt in der kurzen Zeit schon einen sehr guten Eindruck“, sagt Bianka Dittmar von der Kasseler Sparkasse. 25 Lehrstellen will die Bank im kommenden Jahr besetzen. Gerade mit Studienabbrechern habe man gute Erfahrungen gemacht. „Sie sind meistens sehr reflektiert und gut vorbereitet“, sagt sie. Die Abbruchquote liegt bundesweit bei etwa 30 Prozent.

Luka Hast haben die Gespräche sehr gut gefallen. „Man hat gleich einen persönlichen Ansprechpartner und kann sich in einer lockeren Atmosphäre unterhalten“, sagt der 21-Jährige. Zwei Semester hatte er an der Uni Kassel Mechatronik studiert, dann abgebrochen, weil für ihn das Studium nicht genügend praxisorientiert war. Jetzt hofft er auf ein Praktikum bei einem Unternehmen in dieser Branche, und dass daraus ein Ausbildungsplatz resultiert.

„Für die Wirtschaft sind Studienabbrecher eine hochinteressante Zielgruppe, weil sie hochmotiviert und gut sortiert sind, was die Berufsabsichten betrifft“, sagt Barbara Scholz von der Handwerkskammer Kassel. Allein dort sind in diesem Jahr 480 freie Lehrstellen gelistet. Cornelia Mündel-Wirz, Leiterin der Abteilung Berufsausbildung, geht davon aus, dass die Zahl noch deutlich größer ist, denn nicht alle Betriebe listen ihre freien Lehrstellen bei der Kammer. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg sind für das kommende Jahr laut Walter Ruß, Leiter des IHK-Projekts Studienabbrecher, mehr als 600 freie Lehrstellen gemeldet.

Mit der Speeddating-Aktion will das hessenweite Netzwerk Berufliche Integration von möglichen Studienabbrechern (N.I.S.) aktiv auf die Studienabbrecher zugehen und ihnen eine konkrete Unterstützung bieten. Durch die Angabe der Interessen bei der Anmeldung ist laut Scholz zudem eine zielgerichtete Zuweisung von Gesprächspartnern möglich.

Zum Kasseler Netzwerk gehören die Allgemeine Studienberatung und der Career Service der Universität Kassel, die Sozialberatung des Studentenwerks Kassel, die Agentur für Arbeit Kassel, der Verein Kompakt, die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg und die Handwerkskammer Kassel.

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