Zu kurzfristig! Solarfirmen ärgern sich über Kürzung der Solarförderung

Kassel. Die Solarbranche in unserer Region ärgert sich: Denn das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Kürzung der Solarförderung beschlossen. Schon ab 9. März soll Strom aus Fotovoltaikanlagen bis zu 30 Prozent geringer vergütet werden.

Video: SMA-Mitarbeiter protestieren gegen die Senkung

Firmen der Solarbranche in der Region kritisieren vor allem, dass die Fördersätze so kurzfrstig gekürzt werden sollen. Bei SMA in Niestetal, Weltmarktführer für Wechselrichteranlagen, haben bereits in der vergangenen Woche über 1000 Mitarbeiter gegen die geplante Änderung demonstriert. Sie fürchten einen Einbruch des Marktes und den Verlust von Arbeitskräften.

Lesen Sie auch

- Kabinett kürzt Solarförderung: Droht Jobverlust bei SMA?

- Solar-Sparpläne der Bundesregierung: SMA-Aktie rutscht ab

Georg Stiens, Geschäftsführer von Stiens Solartechnik in Kaufungen-Papierfabrik, hätte eine Kürzung zum 1. April als fair und realistisch akzeptiert. Doch durch die kurzfristige Umsetzung würden bereits fertig geplante und finanzierte Projekte plötzlich unrentabel, weil die Kalkulation nicht mehr stimmt. Bisher seien bereits etwa 200 Verträge gekündigt worden. „Wir werden großzügig mit Stornierungen umgehen“, kündigte Stiens an. Verträge mit Banken und Baufirmen über neue Hallen seien aber schwieriger zu kündigen, sagte er mit Blick auf seine Kunden.

Langfristig werde die Kürzung der Einspeisevergütung viele Konkurse unter Solarfirmen zur Folge haben. Stiens erwartet eine Halbierung des Marktes. „Aber wir werden keine Leute entlassen müssen“, ist er sich sicher. Seine Firma ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Installateur von Fotovoltaikanlagen, die Stiens selbst aus China importiert.

„Es werden tausende Arbeitsplätze vernichtet“, erwartet auch Ralph Grobecker. Vielen kleinen Unternehmen drohe durch die Sparpläne der Bundesregierung das Aus, sagte der Geschäftsführer der Niestetaler Firma Get-Green Energy & Technologies.

Uwe Brückmann, Stellvertretender Obermeister der Elektro-Innung Kassel, erwartet, dass seiner Branche durch die Ad-hoc-Aktion der Bundesregierung zahlreiche Aufträge verloren gehen. „Das Schlimme ist, dass das so plötzlich kommt“, sagt Brückmann. Er fürchtet, dass der Solarmarkt nun totgeredet werde und mögliche Kunden glauben, es würde sich künftig nicht mehr lohnen, eine Solarstromanlage zu installieren. Dabei sei eine schrittweise Kürzung der Förderung durchaus legitim – nur eben nicht so kurzfristig.

Diese Einschätzung teilen auch Georg Stiens und Lars Kirchner, Geschäftsführer der Kirchner Solar Group in Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg), die bis 2013 in Lohfelden ein Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien errichtet. Die Kürzung sei „ein klares Signal an die deutsche Solarwirtschaft, noch mehr auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation zu setzen“, sagte Kirchner. Sein Unternehmen habe sich langfristig auf die Senkung der Einspeisevergütung eingestellt. Inzwischen mache die Kirchner-Gruppe die Hälfte des Umsatzes im Ausland. Deshalb sehe Kirchner den weiteren Kürzungen gelassen entgegen. (mcj/ach/bon)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.