Dortmund gegen Bayern

Fußballfans bevölkerten die Kneipen - Polizei sperrte Friedrich-Ebert-Straße

Viel los auf der Gasse: Hunderte Fußballfans wollten gestern Abend das Spiel zwischen BVB und FC Bayern in den Kneipen an der Friedrich-Ebert-Straße sehen. Sie standen bis auf die Straßenbahngleise, sodass die Polizei die Straße halbseitig sperrte. Fotos: Janz

Kassel. Das Chevy ist in Borussenhand. Die Vorliebe der Gäste der Sportsbar neben der Uni ist nicht zu übersehen. Viele tragen Gelb-Schwarz. Rot sind nur die T-Shirts der Kellnerinnen, die unablässig Pommes Frites und Hamburger aus der Küche tragen.

Es ist viel los am Abend des Spitzenspiels. Schon lange vor Anpfiff sind die Plätze mit Blick auf die Fernseher besetzt. Selbst draußen auf dem Mäuerchen haben es sich Raucher bequem gemacht und schauen durchs Fenster.

Hatten gut Lachen: Die BVB-Fans René Leder (links) und Andreas Schernbeck sahen das Spiel im Chevy an der Henschelstraße.

Die beiden Kasseler BVB-Fans René Leder und Andreas Schernbeck blicken still auf die große Leinwand. Die erste halbe Stunde ist rum. „Dortmund beherrscht die Partie nach Belieben“, sagt Fernsehkommentator Marcel Reif. „Das nutzt uns nix“, entgegnet René Leder skeptisch. „Aber wir sind auf jeden Fall zweikampfstärker“, analysiert Andreas Schernbeck.

Hunderte auf der Straße

Sie müssen sich noch gedulden, ehe Lewandowski in der 77. Minute zum 1:0 für Dortmund trifft. Aber sie haben wenigstens einen Sitzplatz mit freier Sicht auf die Leinwand. Auf der Friedrich-Ebert-Straße geht es vielen Fußballfans anders. Vor den drei Kneipen, die das Spiel übertragen, stehen Hunderte Menschen bis auf die Straßenbahngleise. Die Polizei hat die Fahrbahn Richtung Bebel-Platz gesperrt. „Es sind alle friedlich, da muss man das auch mal erlauben“, sagt Einsatzleiter Axel Wagner vom Revier Mitte. Die Männer, die unter den Augen des Ordnungsamts an eine Hauswand pinkeln, kommen aber nicht so einfach davon. Von ihnen kassiert Beamter Dieter Hering 35 Euro.

Wenn die Straßenbahn kommt, rücken alle zusammen. „Bahn, Bahn, Kuscheln, Kuscheln“, ruft Silke Lippik, als wieder eine Tram dicht hinter ihr vorbeifährt. Was beim Spiel vor sich geht, kann sie fast nur erahnen. Die Leinwand ist 20 Meter weg. Johanna Selbert, Luzie Milerski, Steffen Emde und Ida Timper geben es auf. Sie drängen sich lieber um den Bildschirm eines Handys, anstatt auf Bänken und Bierkästen zu stehen, wie die Männer neben ihnen.

Die Anhänger der beiden Mannschaften halten sich die Waage. Als der Schiedsrichter den Bayern kurz vor Schluss einen Strafstoß zuspricht, jubelt erst die eine Hälfte – als BVB-Keeper Roman Weidenfeller hält, die andere.

Nachspielzeit. „Die längsten zwei Minuten meines Lebens“, seufzt Fabian Biba. Der junge Mann ist BVB-Fan, aber jemand hat ihm einen Bayern-Sticker auf den Rücken des Ringelpullovers geklebt. Egal, sein Team gewinnt. Männer in Borussentrikots singen von der Meisterschaft, aber nach ein paar Minuten gehen auch sie nach Hause.

Von Marcus Janz

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