Biologe der Uni Kassel wegen Beleidigung verurteilt

Uni-Professor Kutschera: Nach Beleidigung von Homosexuellen verurteilt - Keine Schuldgefühle

Prof. Ulrich Kutschera (links) am ersten Verhandlungstag mit seinem Verteidiger Markus Sittig im Kasseler Amtsgericht.
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Machte im Gerichtssaal auch Werbung für sein Buch: Prof. Ulrich Kutschera (links) am ersten Verhandlungstag mit seinem Verteidiger Markus Sittig. Archivfoto: Andreas Fischer

Der Uni-Professor aus Kassel, Herr Kutschera, hetzte gegen Homosexuelle. Auch nach seiner Verurteilung zeigt der 65-Jährige keine Schuldgefühle. 

Kassel. „Man wird zu Freiwild gemacht. Die Sprache von Kutschera ist enthumanisiert und sexualisiert“, schilderte gestern ein 52-jähriger Arzt aus Berlin im Zeugenstand vor dem Kasseler Amtsgericht. Der Psychotherapeut ist ein homosexueller Mann, der gegen den Biologie-Professor Ulrich Kutschera nach Erscheinen des Interviews in dem österreichischen Internetportal kath.net Strafanzeige erstattet hat.

Das Interview habe vor drei Jahren in seinem Umfeld „wie eine Bombe“ eingeschlagen, sagte der Arzt. Die Leute, unter ihnen homosexuelle Paare mit Kindern, seien wegen der Äußerungen des Biologen geschockt und entsetzt gewesen. Kutschera habe damit eine Grenze, eine rote Linie, überschritten. Er habe Homosexuelle in dem Interview auf den Sexualtrieb reduziert. Darüber hinaus würden sie auf eine Ebene mit Kinderschändern und Verbrechern gestellt. Dadurch fühle er sich in seiner Menschenwürde verletzt, führte der Arzt aus.

Dass er den Psychotherapeuten und einen anderen Zeugen, der beim ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen Ähnliches vor Gericht ausgeführt hatte, mit seinen „schroffen Worten“ getroffen habe, tue ihm leid, sagte der Angeklagte Kutschera in seinem „Letzten Wort“. Das tue ihm sehr leid. Er habe sich seit dem Jahr 2017 deshalb mehrfach bei Betroffenen entschuldigt.

Das „Letzte Wort“ nutzte Kutschera auch, um mit „zehn Fakten“ deutlich zu machen, „dass ich kein Homo-Hasser bin“. Er führte zum Beispiel an, dass er den schwulen Komponisten Peter Tschaikowsky gelobt und seinen homosexuellen Kollegen Otto Warburg in einer Publikation gewürdigt habe.

Im Alter von 30 Jahren sei er zudem in die Alexander-von-Humboldt-Stiftung als Mitglied gewählt worden. Und der Forschungsreisende Humboldt (1769 bis 1859) sei schließlich auch homosexuell gewesen. In diesem Zusammenhang ließ es sich Kutschera nicht nehmen, zu erwähnen, dass in diese „Elitevereinigung“ nur die „allerbesten Wissenschaftler“ aufgenommen werden.

Damit nicht genug: Derzeit beschreibe er mit einem amerikanischen Zoologen eine neue Tierart. Man habe beschlossen, diese nach „diesem schwulen Mann“ zu benennen. Damit meinte Kutschera Humboldt.

Apropos Amerika: Seit 20 Jahren habe er Kontakte mit „homosexuellen Elite-Professoren“ an der Universität Stanford in Kalifornien, sagte Kutschera zu seiner Verteidigung.

In dem Interview sei es ihm nur darum gegangen, darzulegen, was Kinder benötigen. Und das seien eine Mutter und Vater, um eine stabile Identität entwickeln zu können. „Ich habe drei Söhne und zwei Töchter. Ich weiß, was Kinder brauchen.“

Kutschera kritisierte auch eine Studie aus Regensburg, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es Kindern, die bei homosexuellen Paaren aufwachsen, nicht schlechter als anderen geht. In dieser Studie seien nur Erwachsene gefragt worden, keine Kinder. Und die Erwachsenen würden wohl kaum zugeben, wenn es den Kindern schlecht geht.

Wie wichtig Mutter und Vater seien, machte Kutschera schließlich an zwei Beispielen deutlich: Laut dem Professor haben 90 Prozent aller Mädchen, die sich selbst verletzen, keinen Vater. Und der Begriff Muttersprache sei darauf zurückzuführen, dass ein Kind während der Schwangerschaft von der Sprache seiner Mutter geprägt werde.

Für all seine Aussagen, die er in dem Interview getätigt habe, gebe es wissenschaftliche Belege, sagte Kutschera. Deshalb fühle er sich nicht schuldig. (Von Ulrike Pflüger-Scherb)

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