Oberbürgermeister wehrt sich gegen Kritik von CDU, Grünen und Linken, räumt aber auch Fehler ein

KVG-Chaos in Kassel: Opposition macht OB Geselle verantwortlich

Mitarbeiter der KVG und der Firma Arel Bau befreien die Schienen an der Haltestelle Kirchweg Ende vom Eis
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Lange sah es in Kassel so aus: Mitarbeiter der KVG und der Firma Arel Bau befreiten die Schienen an der Haltestelle Kirchweg Ende voriger Woche vom Eis.

Eine Woche nach Beginn des Schnee-Chaos gerät neben der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) auch Oberbürgermeister Christian Geselle in die Kritik.

Kassel – Grüne, CDU und Linke machen den SPD-Politiker mitverantwortlich dafür, dass in Kassel fast eine Woche lang keine Busse und Straßenbahnen fuhren. CDU-Fraktionschef Michael von Rüden forderte, dass „der Oberbürgermeister Verantwortung für dieses Desaster übernehmen muss“.

Gegenüber der HNA wies Geselle, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der KVG ist, die Kritik zurück. In Kassel sei die Lage aufgrund des Eispanzers auf den Schienen spezieller als in anderen Städten gewesen, da dieser nur mechanisch habe entfernt werden können. Gleichwohl hätte er sich den Einsatz eines Bus-Notnetzes gewünscht, „wo ein solcher Betrieb möglich gewesen wäre“. Warum diese Lösung nicht umgesetzt wurde, ließ Geselle offen.

Die Aufarbeitung der Lage und der getroffenen Entscheidungen werde nicht über die Medien erfolgen. Der Rathauschef wies auch den Vorwurf zurück, die KVG sei personell und technisch nicht gut ausgestattet: Das Unternehmen sei „ein wichtiger Leuchtturm in der Zukunftsstrategie der Stadt. Vor diesem Hintergrund sind verkrustete Strukturen aufgebrochen und Ideen zum Ausbau des ÖPNV entwickelt worden.“

Für die Grünen, mit denen Geselles SPD im Rathaus eine Koalition gebildet hatte, ist die aktuelle Situation dennoch „ein Armutszeugnis“. Dies liege auch am Oberbürgermeister, wie die verkehrspolitische Sprecherin Eva Koch sagte: „Vieles macht Geselle zur Chefsache, aber hier hat er sich ganz offensichtlich nicht gekümmert.“ Dass weder Busse noch Straßenbahnen fuhren und die meisten Radwege immer noch nicht geräumt sind, ist für Koch „zutiefst ungerecht“ und zeige die „falschen Prioritäten in der Verkehrspolitik: Verkehrsdezernent Dirk Stochla interessiert sich nicht so sehr für den ÖPNV. Und der KVG fehlt es nach dem Weggang von Thorsten Ebert an Führung.“

Auch CDU-Fraktionschef Michael von Rüden wunderte sich, warum „Kassel die einzige Stadt zu sein scheint, wo der Bus- und Bahnverkehr seit fast einer Woche zum Erliegen gekommen ist. Das ist für uns nicht akzeptabel.“ Offensichtlich seien in Kassel nicht genügend Räumfahrzeuge vorhanden.

Mirko Düsterdieck von den Linken machte in einem Facebook-Video fehlendes Personal und technisches Gerät für den „Skandal“ verantwortlich: „Geschuldet ist das einer Einsparpolitik, die die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich zu verantworten hat.“ Nun müssten einige Fragen beantwortet werden. Geschehe dies nicht, müssten „die Protagonisten ihren Posten räumen“.

Seine Parteikollegin, die Spitzenkandidatin Violetta Bock, forderte eine bessere „technische Ausrüstung, mehr Personal, schneller greifende Störpläne und Geld für deren Umsetzung“.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Patrick Hartmann ist die Kritik dagegen nur ein „Schmierentheater“. Wer keine Themen habe, „muss anscheinend das extreme Wetter im Wahlkampf bemühen“. (Matthias Lohr)

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