„Das war ein richtiges Highlight“

KVG-Fahrer Jürgen Küllmer steuerte vor 40 Jahren die erste Hochflurbahn in Kassel

Jürgen Küllmer, der KVG-Fahrer mit der Mütze, steuerte vor 40 Jahren die erste Hochflurbahn.
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Jürgen Küllmer, der KVG-Fahrer mit der Mütze, steuerte vor 40 Jahren die erste Hochflurbahn.

Jürgen Küllmer ist für die KVG weit über 40 Jahre Straßenbahnen gefahren. Vor 40 Jahren fuhr er als erster die damals neuartige Hochflurbahn. In knapp einem Jahr geht er in Rente. Doch auch danach will er weiter im Rahmen eines Mini-Jobs Straßenbahn fahren.

Kassel – Wenn Jürgen Küllmer in knapp einem Jahr als Straßenbahnfahrer der KVG in Rente geht, wird er seine blaue Schirmmütze, die sein Markenzeichen ist, nicht ganz an den Nagel hängen: Straßenbahn will er dann im Rahmen eines Mini-Jobs weiter fahren, obwohl er dann weit über 40 Jahre in diesem Job verbracht hat. „Es macht immer noch großen Spaß“, sagt Küllmer.

Auf fünf verschiedenen Generationen von Straßenbahnen ist er gefahren. Er hat den Ausbau des Liniennetzes der KVG, den technischen Fortschritt bei den Trams und den Fahrgast-Boom hautnah miterlebt. In diesen Tagen erinnert er sich an die Einführung der ersten Hochflur-Straßenbahnen, die zur Bundesgartenschau 1981 in Kassel auf die Schienen rollten. Küllmer durfte damals die Jungfernfahrt machen. „Das war ein richtiges Highlight“, sagt der Kasseläner.

Ein Blick zurück: 1970 stand die Zukunft der Kasseler Straßenbahn auf dem Spiel. Der Fuhrpark war veraltet, die Rufe nach einer Stilllegung der Trams wurden lauter. Es waren sogar noch die gelben hochbeinigen und – wegen ihres starren Fahrgestells – rumpeligen Triebwagen mit Schaffner im Einsatz. Küllmer hat diese Wagen noch erlebt, als er 1980 als 22-Jähriger von seinem Erstberuf als Speditionskaufmann zur KVG wechselte. „Der Fahrer musste damals stehen. Zum Bremsen und Anhalten gab es zwei Handkurbeln, rechts und links. Beim Fahrtrichtungswechsel musste ich die Außenspiegel auf den zweiten Fahrstand umstecken. Und jede Kurve hat man spürbar mitgenommen“, erinnert sich der heute 63-jährige Vater zweier erwachsener Kinder.

1975 kam die Wende: Die Modernisierung des Tram-Fuhrparks und der Ausbau des Liniennetzes wurden beschlossen. Zur Bundesgartenschau 1981 stellte die KVG die ersten 16 Hochflurbahnen vom Typ „N8C“ in Dienst, 1986 kaufte die KVG weitere. „Sie waren eine große Erleichterung für uns Fahrer. Alles funktionierte elektrisch. Viel Handarbeit blieb uns nun erspart“, sagt Küllmer. Die Haltestellenansage kam vom Band, der Fahrer hatte nun seine eigene Kabine. Größere Außenscheiben, breitere, gepolsterte Sitze und ein teilautomatisiertes Bremssystem sorgten für mehr Komfort bei den Fahrgästen. „Das Anfahren und Abbremsen geschah deutlich sanfter als vorher“, sagt Küllmer.

Ganz ohne Handarbeit ging es für Küllmer dennoch nicht ab: Die Fahrgäste mussten zwei hohe Trittstufen und eine herausfahrbare dritte Stufe überwinden, um in den Fahrgastraum zu gelangen. Jungen Müttern habe er geholfen, ihre Kinderwagen hineinzuhieven. Vor dem Hauptbahnhof habe der Fahrer die ausklappbare Stufe stilllegen müssen, da sich diese sonst im Bahnsteig verklemmt habe. „Das wurde schon mal vergessen“, erzählt der Kasseläner. Im Gegensatz zu den heutigen modernen Niederflurbahnen war der Einstieg in die N8C für Rollstuhlfahrer ein fast unüberwindliches Hindernis. „Diese Fahrgäste waren damals extrem selten“, sagt der passionierte Gartenliebhaber.

Die drei noch im Schülerverkehr eingesetzten Hochflurbahnen der KVG werden übrigens erst zwei Jahre nach Küllmer – 2024 – in Rente gehen. (Peter Dilling)

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