KVG-Mitarbeiter blickt auf sein Berufsleben zurück

Er fährt und fährt und fährt: Straßenbahnfahrer seit 40 Jahren im Dienst

+
Im Jahr 1981: Straßenbahnfahrer Schreiber

Kassel. Heinz-Dieter Schreiber hatte großes Glück: Obwohl er mit 40 Betriebsjahren der dienstälteste Straßenbahnfahrer der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) ist, hat er nie einen schweren Unfall gehabt. Auch mit den Fahrgästen ist er nie ernsthaft aneinandergeraten.

Dafür ist der 62-Jährige dankbar, der am 1. April sein Dienstjubiläum feiert. Im Gespräch mit der HNA verrät er, was er in seinem Beruf inzwischen vermisst.

Schreiber stammt aus einer Familie, die eng mit der KVG verwurzelt ist. In den stärksten Zeiten waren fast 20 Mitglieder seiner Familie beim städtischen Verkehrsbetrieb beschäftigt: Mutter, Schwester, Schwager, Cousin, Nichten und so weiter. Auch sein Vater war Straßenbahnfahrer in Kassel und der Sohn begleitete ihn bei vielen Nachtschichten. „Manchmal wurde mein Vater morgens nicht abgelöst und so mussten wir weiterfahren“, erinnert er sich.

Straßenbahnfahrer mit Herz: Heinz-Dieter Schreiber ist seit 1977 bei der KVG angestellt. Fotos: Ludwig, privat

Nach einer Ausbildung zum Karosserieschlosser und der Bundeswehrzeit war es sein Vater, der ihn motivierte, sich bei der KVG zu bewerben. „Geh doch ma hinne“, habe sein Vater zu ihm gesagt. Er ging „hinne“ und heuerte als 22-Jähriger im April 1977 bei der KVG an – in dem Jahr wurde der Nahverkehr in Kassel gerade 100 Jahre alt.

„Damals musste jeder, der bei der KVG anfangen wollte, zunächst eine Weile in der Putzkolonne oder der Schlosserei arbeiten“, erzählt der 62-Jährige. Erst nachdem er einige Wochen lang die Waggons geschruppt hatte, durfte er seinen Lehrgang als Fahrer beginnen.

Seit damals hat er acht Straßenbahnmodelle erlebt, ist täglich 100 bis 150 Kilometer Bahn gefahren und hatte nur zwei Unfälle, bei denen Personen leicht verletzt wurden. „Manch anderer Fahrer hat nach nur zwei, drei Jahren zwei Unfälle mit Toten erlebt. Ich hatte Glück.“

Der 62-Jährige, der mit seiner Frau in Vellmar lebt, fährt auf allen Linien – und darf auch Regiotram fahren. Seine Lieblingslinie ist die 1 zwischen Wilhelmshöhe und Vellmar beziehungsweise Holländischer Straße. In der Regel ist Schreiber nur noch in der Frühschicht unterwegs. Dann klingelt sein Wecker um 2.30 Uhr. „Gewohnheitssache“, sagt er.

Seit 1977 habe sich für die Fahrer vieles verbessert: „Wir haben heute beheizte Sitze und klimatisierte Kabinen.“ Er vermisse aber das Verkaufen der Fahrkarten. „Heute sitzen wir abgeschottet in den Kabinen. Da fehlt der Kontakt zu den Fahrgästen. Mit einigen lässt sich gut scherzen.“

Besonders viel Spaß macht ihm sein Beruf, wenn die Manga-Messe Connichi in Kassel stattfindet. „Dann sind viele verkleidete und gut gelaunte Menschen in der Bahn.“ Im September ist es wieder soweit.

Ende 2018 geht Schreiber nach dann 41 Jahren in Ruhestand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.