Wo Nahverkehr wenig genutzt wird, sollen Fahrten reduziert werden

KVG-Pläne für Kasseler Nahverkehr: Besseres Angebot ist Ziel

+
Doppelte Tram: Auf der Linie 1 setzt die KVG seit Dezember 2013 zwei hintereinandergekoppelte Straßenbahnen ein. Damit wird die Kapazität auf der Strecke zwischen Bergpark Wilhelmshöhe und Vellmar erhöht. Zu Stoßzeiten waren die Bahnen mitunter so voll, dass Fahrgäste an den Haltestellen zurückbleiben mussten.

Vieles wird anders im Kasseler Nahverkehr mit der geplanten Liniennetzreform. Die KVG will das Netz der Straßenbahn- und Buslinien in der Stadt gehörig umkrempeln.

Das fängt bei einer neuen Nummerierung der Straßenbahn- sowie Buslinien an und hört beim Wegfall von etwa einem Dutzend Bushaltestellen noch lange nicht auf.

Mit dem neu strukturierten Netz möchte die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) dort ein besseres Angebot schaffen, wo eine wachsende Nachfrage besteht und dort das Angebot reduzieren, wo Trams und Busse zu wenig genutzt werden. Damit sollen die Straßen vom Autoverkehr entlastet und die Luftbelastung durch Autoabgase verringert werden. Mit verbesserten Taktzeiten und einem durchgehenden Angebot alle 75 Minuten in den Wochenendnächten will die KVG zudem einen Beitrag zu einem attraktiven Großstadtleben leisten.

Im neuen Netz würden Busse und Straßenbahnen neue Linienwege befahren. Die sollen besser auf die Bedürfnisse heutiger und erhoffter neuer Fahrgäste ausgerichtet sein. Die KVG will neue Direktlinien schaffen, Stadtteile miteinander verbinden und Anschlüsse verbessern.

Lesen Sie auch

Netz für Busse und Bahnen: KVG krempelt alles um

Auf vielen Linien sollen Takte besser abgestimmt werden, damit Busse und Bahnen regelmäßiger fahren und nicht drei Fahrzeuge in einer Viertelstunde kommen, aber dann eine halbe Stunde gar keins. Auch die Anschlüsse sollen verbessert werden und für sichere Umstiegsmöglichkeiten mit Übergängen von zwei bis acht Minuten sorgen.

Das neue Liniennetz würde laut KVG den Nahverkehr für bis zu 1400 weitere Stadtbewohner erschließen. Damit könnten zusätzliche Fahrgäste gewonnen werden, hofft KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert.

Neue Liniennummern 

Fast jede Strecke bekäme eine neue Liniennummer. Linien, die wichtige Verkehrsaufgaben in der Stadt Kassel übernehmen, hätten die Nummern Eins bis Zwölf. Das wären künftig die zentralen Stadtlinien, acht Straßenbahnlinien und drei Buslinien (siehe nebenstehenden Artikel).

Mit den Nummern 14 bis 23 würden Stadtteillinien gekennzeichnet. Das sind Buslinien, die Stadtteile oder Wohnquartiere erschließen.

Anruf-Sammel-Taxis (Ast) würden künftig mit den Liniennummern 25 bis 29 bezeichnet. Das Taxi ergänzt den regulären Busbetrieb früh am Morgen, spät am Abend oder auf bestimmten Linien. Es kommt dort zum Einsatz, wo die Busse aufgrund zu geringer Nachfrage sonst fast leer unterwegs wären. Das Taxi fährt nach einem festgelegten Fahrplan auf demselben Linienweg, den sonst der Bus fahren würde und hält auch an allen Haltestellen. Der Unterschied: Das Taxi kommt nicht automatisch, sondern muss telefonisch für die gewünschte Abfahrtzeit im Fahrplan bestellt werden.

Als wichtige Regionallinien in Kassel bleiben die Regiotram-Linien RT 3 / RT 4 und RT 5 sowie die Buslinien 30, 31, 35, 37, 51, 52, 100 und 500 erhalten.

Das sind die Absichten: Mehr Erlös und klarere Struktur

Der jetzt von der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) vorgelegte Entwurf für die ÖPNV-Liniennetzreform geht auf den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 4. Mai zurück.

Mit Stimmen von SPD und Grünen war die KVG damit beauftragt worden, das Liniennetz für Busse und Straßenbahnen in Kassel zu reformieren, zu veröffentlichen und den Beteiligungsprozess zu moderieren.

Laut Zeitplan soll das neue ÖPNV-Liniennetz ("Kasseler Linien") im Frühsommer 2017 starten. Als Ziele sind unter anderem Anpassungen an die Nachfrage, Verbesserung der Erlöse und eine klarere Struktur formuliert. Verkehrsdezernent Christof Nolda (Grüne) erklärte, mit der Reform solle das Angebot dort verbessert werden, wo die Nachfrage wachse, und dort angepasst werden, wo sie zu gering sei. (aha)

Zu viel Angebot in fünf Stadtteilen

Nach den Analysen der KVG für die Netzreform gibt es in folgenden Stadtteilen im Nahverkehr zu viel Angebot: Harleshausen, Jungfernkopf, Bettenhausen, Nordshausen und Brasselsberg. In allen anderen Stadtteilen ist von einem passenden Angebot die Rede.

Inbesondere in den Stadtteilen Jungfernkopf, Bettenhausen und Brasselsberg sieht die KVG Handlungsbedarf. Dort ist die Nutzung von Bussen und Bahnen niedrig, gleichzeitig ist der Leistungsaufwand aus der Sicht des Nahverkehrsunternehmens hoch und zudem die Kostendeckung niedrig.

Auch in Harleshausen und Nordshausen ist die Nahverkehrs-Nutzung niedrig, aber der Aufwand ist ebenfalls niedrig. In Harleshausen sieht die KVG die Kostendeckung als mittel, in Nordshausen ist sie niedrig.

Doppeltraktion und Beiwagen

Wegen starker Nachfrage setzt die KVG bereits seit Ende 2013 sogenannte Doppeltraktionen auf der Straßenbahn-Linie 1 (Wilhelmshöher Allee - Vellmar) ein. Dabei handelt es sich um zwei hintereinandergekoppelte Straßenbahnen mit verdoppelter Kapazität. Aus Sicherheitsgründen ist der Einsatz der 60 Meter langen Fahrzeuge nicht unumstritten, Probleme werden etwa in der Königsstraße gesehen.

Um Fahrgast-Kapazitäten zu erhöhen, sollen Beiwagen - zum Beispiel auf der Tram-Linie 5 in Richtung Baunatal - angehängt werden.

Einladung zum Bürgerdialog 

Am Samstag, 4. Juli, startet die KVG die öffentliche Diskussion zum Entwurf der Netzreform für Bus und Tram in Kassel.

Von 10 bis 17 Uhr steht das KVG-Infozelt am Friedrichsplatz (am Modehaus Sinn Leffers). KVG-Mitarbeiter stehen dort Rede und Antwort.

Der Netzentwurf mit dem Projekttitel "Kasseler Linien" steht seit dem heutigen Samstag mit vielen Zusatzinformationen auch im Internet unter der Adresse www.kasselerlinien.de

Dort sind alle Details und Veränderungen sowie die konkreten Überlegungen für jeden einzelnen Stadtteil detailliert zusammengestellt.

Zudem gibt es gedruckte Info-Broschüren mit allen wichtigen Informationen. Die Broschüren gibt es heute im Info-Zelt und künftig im Kundenzentrum in der Kurfürsten-Galerie (Öffnungszeiten Montag bis Freitag 10-18.00 Uhr, Samstag 10-16 Uhr). Dort stehen auch KVG-Mitarbeiter als Ansprechpartner zum Thema Netzreform bereit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.