Polizeieinsatz nach Streit

Rollstuhlfahrer wollte mit der Tram zur Arbeit, doch KVG verbot es ihm

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Er sollte aus der Straßenbahn verwiesen werden, weil sein E-Rolli ein Kennzeichen hat: Dagegen hat sich Uwe Frevert am Mittwochmorgen gewehrt. Jetzt will sich KVG-Vorstand Dr. Thorsten Evert für das Fehlverhalten des Fahrers bei ihm entschuldigen.

Kassel. Wie die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) mit Rollstuhlfahrern umgeht, das bezeichnet der 59-jährige Uwe Frevert als „Schikane“ und als „Gängelei im Alltag“.

Als Frevert, der im Rollstuhl sitzt, am Mittwochmorgen mit einer Bahn der Linie 8 an die Arbeit fahren wollte, endete das mit einem Polizeieinsatz. Der Fahrer wollte Frevert zunächst nicht mitnehmen, weil sein E-Rollstuhl eine Straßenzulassung hat. „Unser Fahrer hat sich falsch verhalten“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad auf Anfrage. Dr. Thorsten Ebert, Vorstand der KVG, werde sich bei dem Kunden deshalb schriftlich und telefonisch entschuldigen.

„Das würde ich sehr entgegenkommend finden, wenn das wirklich passiert“, sagt Frevert am Donnerstag zur HNA. Der Vorfall am Mittwochmorgen um 8.45 Uhr sei für ihn sehr belastend gewesen. Frevert, der beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) in Kassel arbeitet, war zur Straßenbahnhaltestelle Teichstraße in Kirchditmold gerollt. Zunächst habe der Fahrer – wie gewohnt – die Rampe heruntergeklappt, damit Frevert mit seinem Elektrorollstuhl in die Bahn fahren konnte. Plötzlich habe der Fahrer ihn aber aufgefordert, dass er die Bahn wieder verlassen solle, weil die neuen Beförderungsrichtlinien seine Mitfahrt mit seinem Elektrorollstuhl mit Kennzeichen nicht zulassen, berichtet der 59-Jährige.

Der weigerte sich, dieser Aufforderung nachzukommen. Schließlich wurde die Polizei verständigt. Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz habe der Rollstuhlfahrer gesagt, er verlasse die Bahn nicht. Notfalls müsse man ihn mit Rollstuhl heraustragen. Das hätten die Beamten aber nicht getan. Letztlich durfte Frevert dann doch mitfahren.

Der 59-Jährige ärgert sich jetzt aber darüber, dass die KVG die Schuld allein auf den Fahrer geschoben hat. „Der hatte eine klare Anweisung, mich nicht mitzunehmen.“ Zudem sei ein Mitarbeiter der Verkehrsaufsicht hinzugekommen, der ihm ein Hausverbot für Busse und Bahnen erteilt habe, sagt Frevert.

KVG-Sprecherin Hamdad bestreitet, dass es solch eine Dienstanweisung für die Fahrer gibt. Hamdad räumt allerdings ein, dass es seit wenigen Wochen einen Flyer mit dem Titel „Mobil ohne Barrieren“ mit einer falschen Information gebe. Dort stehe fälschlicherweise drauf, dass Rollstühle mit Kennzeichen nicht mitgenommen werden dürfen. Vielleicht habe der Fahrer das gelesen.

Rollstuhlfahrer ärgern sich über KVG

Rollstuhlfahrer ärgern sich darüber hinaus seit Monaten über die KVG. Nach den neuen Beförderungsregeln darf unter anderem nur noch ein Rollstuhlnutzer pro Stellfläche in Bahn und Bus mitfahren. Anfang Mai protestierten Menschen mit Behinderung bereits gegen diese Regelung vor dem Kasseler Rathaus.

Am Mittwochmorgen war Uwe Frevert übrigens der einzige Rollstuhlfahrer, der sich in der Straßenbahn der Linie 8 aufhielt. Er kann diese ganze Debatte allerdings nicht nachvollziehen. „Warum dürfen zum Beispiel gleichzeitig drei Kinderwagen, aber nur ein Rollstuhl in der Bahn mitfahren?“

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