Mehrere Linien werden geprobt

KVG testet ausgeliehenen Elektrobus im Linienbetrieb

Durften als erste Fahrgäste einsteigen: Conny Franz und ihre Tochter Lea sind Stammgäste auf der Linie 25. Sie hat der aus Offenbach ausgeliehene E-Bus überzeugt.
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Durften als erste Fahrgäste einsteigen: Conny Franz und ihre Tochter Lea sind Stammgäste auf der Linie 25. Sie hat der aus Offenbach ausgeliehene E-Bus überzeugt.

Weil die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) erstmals Elektrobusse kaufen will, läuft die nächsten Tage ein Test: Ein ausgeliehenes Fahrzeug wird an mehreren Tagen auf Kasseler Linien eingesetzt.

Kassel – Auf den ersten Blick sieht er den neuen NVV-Bussen ähnlich. Doch dann fallen das Offenbacher Kennzeichen und der sehr leise Motor auf. Ist das wirklich die Linie 25, die am Dienstagmittag an der Haltestelle Rathaus/Fünffensterstraße einfährt? Das fragen sich auch Conny Franz und ihre Tochter Lea. Die beiden Stammgäste der Linie 25 sind die Ersten, die in den Elektrobus einsteigen, der bis Anfang nächster Woche im Linienbetrieb der KVG getestet werden soll.

„Können wir nicht immer mit diesem Bus fahren?“, fragt Lea Franz nach wenigen Minuten. Auch ihre Mutter ist angetan: „Hier ist es schön ruhig drin, außerdem wirkt der Bus sehr geräumig.“ Eine andere Frau fragt: „Für die Beine ist aber ein bisschen weniger Platz, oder?“ Viele Fahrgäste auf der Fahrt durch Wehlheiden Richtung Auestadion wundern sich: Ist das wirklich mein Bus? Damit Passanten das leise Gefährt nicht übersehen, werden beim Fahren Motorgeräusche simuliert. Im Innenraum ist davon nichts zu hören, auch die typischen Vibrationen der Dieselmotoren sind nicht zu spüren.

Die KVG plant, 12 neue E-Busse anzuschaffen. Die Ausschreibung soll in diesem Herbst erfolgen. Vorher muss ausgiebig getestet werden, damit die Ausschreibung möglichst zielgerichtet formuliert werden kann. Mindestens ein weiteres Modell soll noch ausprobiert werden. Vor sechs Jahren hatte die KVG zuletzt einen E-Bus im Fahrgastbetrieb getestet. „Die Ergebnisse von damals sind aber weitestgehend überholt, weil die technische Weiterentwicklung rasant voranschreitet“, berichtet Janik Leibeling, der als betrieblicher Projektleiter für E-Busse bei der Fahrt mit dabei ist.

Von den Daten, die während der Fahrt von einem Computer gesammelt werden, erhofft sich Leibeling viel: „Wir fahren unterschiedliche Linien. So können wir den Bus in Bezug auf Topografie der Strecke, Fahrgastaufkommen und Verkehrsbelastung testen.“ Gerade was Anstiege angehe, sei Kassel eine besondere Herausforderung für E-Busse. Leibeling interessiert sich besonders für Verbrauchswerte, die Leistung der vier Akkus an Bord und mögliche Störungen. „E-Busse können nicht überall eingesetzt werden. Strecken wie die der Linie 25 sind optimal. Die Anwohner werden sich zudem über weniger Lärm freuen.“ Wo der Bus bis nächsten Montag eingesetzt werden soll, kann im Internet unter kvg.de nachgeschaut werden.

Bis auf den Antrieb und die Akkus unterscheidet sich der E-Bus des Herstellers Solaris nicht von herkömmlichen Bussen. Der Innenraum werde sowieso nach Kundenwunsch gestaltet, sagt KVG-Pressesprecherin Heidi Hamdad. Was die Finanzen angeht, sieht das schon anders aus: Ein Diesel-Bus ohne Gelenk koste bis zu 250 000 Euro, berichtete Leibeling. Ein E-Bus rund das Doppelte. Hinzu kommen Kosten für die Ladeinfrastruktur, Umrüstungen in der Werkstatt und Schulungen. Dafür gibt es eine Förderung des Bundes, außerdem wird erst im Betrieb über günstigere Energiekosten richtig gespart. Fahren sollen die Busse ab 2023 mit 100 Prozent Ökostrom.

Till Spohr ist ÖPNV-Fan aus Kassel.

Als der Bus nach seiner ersten, circa 12 Kilometer langen Runde wieder am Rathaus ist, steht Till Spohr mit seinem Fotoapparat bereit. Der 14-Jährige aus Kassel bezeichnet sich selbst als „ÖPNV-Fan“. Er reist durch das ganze Land, um Fotos von alten, neuen oder besonderen Bussen und Bahnen zu machen. „Der E-Bus hier ist viel besser als die, die ich letzte Woche in Frankfurt gefahren bin“, sagt er. Seine Fotos – letztes Jahr waren es mehr als 10 000 – veröffentlicht er auf Instagram unter dem Nutzernamen „@_bremsklotz_“. (Von Gregory Dauber)

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