Verkehrsgesellschaft verhandelt mit Haftpflichtversicherung

KVG: Weiter Streit um Scooter in Bussen

Einsatz für mehr Mobilität: Auch Horst Effmert hatte sich darüber beklagt, dass die KVG Menschen, die auf einen Scooter angewiesen sind, nicht mehr befördern wollte – mit Erfolg. Archivfoto: Fischer

Kassel. Weiterhin haben Nutzer von Elektroscootern Probleme, in Bussen der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) mitgenommen zu werden.

So ging es auch Ursula Reitz, deren Ehemann Heinrich als Schwerbehinderter auf den elektrischen Krankenfahrstuhl angewiesen ist. „Erst der dritte Bus hat uns mitgenommen“, berichtet Ursula Reitz über den jüngsten Heimweg von der Mauerstraße nach Waldau.

„Es handelt sich offenbar um ein Versehen“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad: „Wir entschuldigen uns dafür.“ Denn in den Bussen und Straßenbahnen werden Elektroscooter wieder befördert.

Ende des vergangenen Jahres hatte die KVG die elektrischen Krankenfahrstühle aus Sicherheitsgründen von der Beförderung ausgeschlossen. Daraufhin gab es viel Kritik von älteren und behinderten Menschen, die auf die kleinen Elektromobile angewiesen sind.

Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der Ende November 2014 vor dem ungesicherten Scooter-Transport in Bussen und Bahnen gewarnt hatte, will ein weiteres Gutachten zu diesem Thema abwarten, um anschließend seine Hinweise zu präzisieren. Die KVG hatte sich im Januar gegen die Empfehlung entschieden, „weil nach neuerlicher Prüfung das Gefährdungspotenzial sowohl für die Nutzer der Elektroscooter als auch für andere Fahrgäste als sehr gering bewertet wird“, sagt Hamdad.

Fahrer hat das letzte Wort

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Es bleibe aber dabei, dass das letzte Wort der Fahrer habe. Er könne den Transport verweigern, wenn die Sicherheit in Bus oder Bahn gefährdet sei. Zum Beispiel dann, wenn in einem vollen Fahrzeug kaum noch Platz für einen Scooter sei. Oder wenn ein sehr großer Scooter nicht sicher aufgestellt werden könne. Vor allem in den Omnibussen haben die wenig wendigen Scooter in den im Vergleich zu Straßenbahnen engeren Mehrzweckabteilen Probleme. Zudem würden in einem Bus bei Kurvenfahrten oder einer starken Bremsung höhere Kräfte auftreten.

„Wir müssen um Verständnis dafür bitten, das unsere Fahrer die Situation am besten einschätzen können“, erklärt Hamdad.

Ob es auch künftig dabei bleibt, dass Scooter wieder in Bussen und Bahnen mitfahren dürfen, hängt von den Gesprächen ab, die von der KVG derzeit mit der Haftpflichtversicherung geführt werden. Versicherungen von anderen Nahverkehrsunternehmen hätten klargestellt, dass sie bei einem Schadensfall im Zusammenhang mit einem Scooter-Transport nicht haften würden, berichtet Hamdad. Sie hoffe, dass diese Frage bald geklärt sei. Verweigert die Versicherung die Haftung, müssten auch in Kassel die Scooter wieder draußen bleiben. (ach)

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