Erste Änderungen ab Dezember

KVG muss sparen: Weniger Busse in Randbezirken, aber Ausbau auf Hauptstrecken

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Wichtiger Umsteigepunkt für den Nahverkehr: Der Große Kreisel in der Unterneustadt. Die KVG will die Zahl solcher Punkte von aktuell 240 auf 30 im Stadtgebiet reduzieren.

Kassel. Weil die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) sparen muss, will sie ihr Angebot in den nächsten fünf Jahren deutlich verändern. Wegen sinkender Landesförderungen müssten sechs Mio. Euro pro Jahr gespart werden, sagte KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert im HNA-Gespräch.

Zwar sollten Busverbindungen und Bushaltestellen in Randlagen wegfallen, aber frei werdende Fahrzeuge würden im Gegenzug auf viel genutzten Strecken eingesetzt.

Ziel ist, auf den Hauptachsen zwischen 7 und 20 Uhr alle 7,5 Minuten einen Anschluss zu bieten.

Diese und weitere geplante Veränderungen sind im Nahverkehrsplan festgehalten, den die Stadtverordneten jüngst beschlossen hatten. Der Plan gibt die Strategie vor, wie Infrastruktur und Fahrpläne der KVG verändert werden sollen. „Wir wollen die Quadratur des Kreises: Sparen ohne Qualitätsverlust und mit mehr Fahrgästen“, sagt Ebert.

Grafik: So sollen Busse und Bahnen fahren

Der KVG-Vorstand räumt ein, dass es auch Verlierer geben wird: Mancher Fahrgast werde weitere Fußwege zur nächsten Haltestelle auf sich nehmen müssen - zum Beispiel in Waldau. Dort werde er aber eine leicht verständliche Linienführung und enge Taktung vorfinden. Die ersten Neuerungen soll es zum Fahrplanwechsel im Dezember geben, mit größeren Einschnitten rechnet Ebert aber erst zum Fahrplanwechsel 2015/ 2016. Für dann sei auch angedacht, auf der Linie 5 Anhänger an die Straßenbahnen anzukoppeln, um auf der viel genutzten Strecke mehr Fahrgäste transportiert zu können.

Die KVG hatte zuletzt ein jährliches Defizit von 14 bis 15 Mio. Euro eingefahren. Mit der Stadt hatte sie vereinbart, dass dies nicht größer werden darf. Weil der Verkehrsbetrieb zuletzt aber für 55 Mio. Euro 22 Bahnen gekauft hatte, um Modelle aus den 80er-Jahren zu ersetzen, kam er unter finanziellen Druck. Denn das Land fördert deren Kauf nicht mehr. Zudem steht die Instandsetzung weiterer 15 Bahnen an.

Das sind die Pläne im Einzelnen

Die im Nahverkehrsplan skizzierten Veränderungen werden vor allem das Busnetz betreffen. Hier eine Übersicht:

Hintergrund: KVG unter finanziellem Druck

Die KVG ist finanziell unter Druck. Denn zuletzt hatte sie für 55 Mio. Euro 22 neue Bahnen angeschafft, weil alte Fahrzeuge ausrangiert werden mussten. Früher hatte das Land den Kauf von Bahnen mit 40 Prozent der Kaufsumme gefördert, bei Bussen waren es 30 Prozent. Diese Förderung gibt es nicht mehr, sodass die KVG die Kosten alleine tragen musste. Weitere Investitionen stehen an, weil Bahnen, die in den 90er-Jahren beschafft wurden, aufgearbeitet werden müssen. In den nächsten drei bis vier Jahren sollen 15 dieser Bahnen instandgesetzt werden.

• Großer Schwachpunkt im KVG-Netz ist die Wolfhager Straße. Deshalb sollen mehr Busse auf dieser Strecke zwischen Innenstadt und Ahnatalstraße (Harleshausen) fahren.

• Die Einführung von Quartiersbussen ist geplant. Diese sollen ausschließlich in den Wohngebieten verkehren und die Menschen zu den Haltestellen an den Hauptverkehrsachsen bringen. Von dort gibt es dann regelmäßige Abfahrten.

• Einige Bushaltestellen können in Wohngebieten wegfallen. An der dann nächstgelegenen Haltestelle soll es dafür ein besseres Angebot geben. Untersuchungen zeigten, dass Fahrgäste zum Erreichen einer Tram-Haltestelle bereit seien, 500 Meter zu laufen, bei Bushaltestellen seien dies nur 300 Meter.

• Samstags sollen die Angebote nach 15 Uhr ausgeweitet werden. Bislang nimmt die Taktdichte zu der Zeit deutlich ab. Fahrpläne sind noch nicht an die Ladenöffnungen angepasst.

• In Wehlheiden sollen Busse künftig einheitliche Wege fahren. Dort gibt es aus Sicht der KVG ein gutes Bus-Angebot, allerdings sei es unübersichtlich.

• Die KVG prüft den Einsatz von Anhängern für Bahnen. Einen Anhänger hat die KVG bereits gekauft und testet ihn. Wenn der Test gut verläuft, will die KVG weitere solche Anhänger kaufen, die auf viel befahrenen Strecken wie der Linie 5 zum Einsatz kommen sollen. Dort sind die Bahnen oft überfüllt. Anhänger sind mit 100.000 bis 200.000 Euro weitaus günstiger als weitere Straßenbahnen, die mit 2,5 Mio. Euro zu Buche schlagen.

• Sonderlinien für den Schulverkehr (wie die 1E) sollen abgeschafft und stattdessen die regulären Linien verstärkt mit gekoppelten Bahnen (Doppeltraktion) bedient werden. So sollen Betriebs- und Personalkosten gespart werden.

• Unter den diskutierten Erweiterungen des Tram-Netzes hat der Bau einer Schienenstrecke nach Waldau bei der KVG aktuell die höchste Präferenz.

Von Bastian Ludwig

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