Bahnen sollen bei Wintereinbruch länger fahren und Schienen freihalten

KVG zieht Lehren aus Schneechaos

Nur noch Schneereste: Mitte Februar fuhren die Bahnen wieder über die Königsstraße. Archiv
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Nur noch Schneereste: Mitte Februar fuhren die Bahnen wieder über die Königsstraße. Archiv

Als es am 7. Februar zu schneien anfing und stundenlang nicht mehr aufhörte, ahnte noch niemand, was das für den öffentlichen Nahverkehr bedeuten würde. Fünf Tage lang fuhren in der Stadt weder Straßenbahnen noch Busse der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), Behinderungen gab es auch später noch.

Kassel - „Das war eindeutig zu lang“, sagt Klaus Reintjes, Betriebsleiter bei dem Verkehrsunternehmen. Die KVG hat das Thema aufgearbeitet und eine ganze Reihe von Konsequenzen gezogen.

Die Baufirmen

Als im Februar Hunderte von Lkw-Fuhren mit Schnee abtransportiert werden mussten, gab es eine spontane Zusammenarbeit mit Baufirmen. Mittlerweile wurden Verträge abgeschlossen. Die sollen gewährleisten, dass Radlader und Lkw bei Bedarf schnell zur Verfügung stehen. „Die sind jetzt auf Abruf bereit“, sagt Klaus Reintjes.

Längerer Betrieb

Vor knapp elf Monaten wurde unter anderem kritisiert, dass die KVG das Schienennetz nicht länger und eventuell sogar die ganze Nacht hindurch befahren hat. Auch deshalb seien die Schienen so vereist gewesen, dass tagelang gar nicht mehr ging. „Priorität hat natürlich immer noch die Sicherheit unserer Fahrgäste und unserer Mitarbeiter“, sagt Klaus Reintjes. Dennoch habe man Vorkehrungen dafür getroffen, dass KVG-Fahrzeuge ohne Passagiere bei starkem Schneefall so lange wie möglich im Netz unterwegs sind. So soll verhindert werden, dass sich ein Eispanzer auf den Schienen bilden kann. Für die Weichen gebe es nach wie vor eine Heizung, die Blockaden verhindert.

Bessere Informationen

Als im Februar Busse und Bahnen ausfielen, standen viele Fahrgäste vergeblich an den Haltestellen und warteten. Mittlerweile hat die KVG ihre Kommunikation sowohl an den Hinweistafeln als auch auf der Homepage und über die App verbessert. Hier kann man genau nachvollziehen, ob es eine Verspätung oder einen Ausfall gibt. Diese Verbesserung wurde bereits wenige Wochen nach dem Schneechaos eingeführt. Als es im März zu einer Großdemonstration der Querdenker in Kassel gab, funktionierte das System bereits.

Die Stadtreiniger

Auch in der Kooperation mit den Stadtreinigern hat es eine Erweiterung gegeben. Der Winterdienst kümmert sich jetzt auch um alle Bushaltestellen. In Abschnitten, wo sich Bahnen und Autos die Fahrbahn teilen – zum Beispiel auf der Friedrich-Ebert-Straße –, sind die Stadtreiniger ohnehin zuständig. Alle Strecken, die vom öffentlichen Nahverkehr genutzt werden, stehen auf der Prioritätenliste für den Winterdienst ganz oben. Die KVG hat darüber hinaus noch zwei eigene Räumfahrzeuge.

„Wir sind gut vorbereitet“, sagt Klaus Reintjes. Eine Garantie, dass man den Winter ohne größere Beeinträchtigungen überstehe, könne er aber nicht geben. So heftig wie im Februar werde es hoffentlich so schnell nicht wieder werden. (THOMAS SIEMON)

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