Verkehrsverbund läuft die Zeit davon 

NVV weiß nicht, ob er alle Strecken weiter finanzieren kann

Kassel. Dass sich der Streit ums Geld für den Nahverkehr zwischen Bundesregierung und Bundesrat bald löst, glaubt der Geschäftsführer des NVV nicht.

„Ich bin da eher pessimistisch“, sagt Wolfgang Rausch vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV).  Dabei läuft dem NVV die Zeit davon. Denn für das kommende Jahr müssen die Verkehrsverbünde ihren Bedarf bei den Schienennetzbetreibern – größter ist die Deutsche Bahn – bis Ende März beantragen. „Aber wir wissen nicht, ob wir das, was wir anmelden, dann auch finanzieren können“, sagt Rausch. Nach jetzigem Stand hätte der NVV 2016 eine Lücke von 6,3 Millionen Euro im Budget.

In dieser schwierigen Situation bittet der Aufsichtsrat jetzt die Vorsitzenden der Fraktionen im Bundestag in einem Brief um Unterstützung. Den Hilferuf haben über Parteigrenzen hinweg alle Aufsichtsratsmitglieder unterschrieben. Dazu gehören die Landräte Uwe Schmidt (Kassel), Stefan Reuß (Werra-Meißner), Dr. Karl-Ernst Schmidt (Hersfeld-Rotenburg), Dr. Reinhard Kubat (Waldeck-Frankenberg), Winfried Becker (Schwalm-Eder) sowie Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und die Staatssekretäre aus Finanz- und Verkehrsministerium Dr. Bernadette Weyland und Mathias Samson.

Von Einschnitten besonders betroffen wäre der Bahnverkehr, der den dicksten Brocken im 135-Millionen-Euro-Budget des NVV ausmacht. „Wir bieten in unserem Bereich 8,6 Millionen Zugkilometer pro Jahr an“, erläutert Rausch. „Unser Anspruch bleibt, das auch weiterhin anzubieten. Wir wollen das bestehende Fahrplanangebot beibehalten.“

Mit Blick auf mögliche Einsparungen befürchtet der NVV-Geschäftsführer drastische Auswirkungen. Um 5,5 Millionen Euro in der Kasse zu behalten, müsste der Verkehrsverbund eine Million Zugkilometer in der Region abbestellen. Ab 2017 droht durch fehlende Zuschüsse vom Bund ein Loch von sogar 13 Millionen Euro. Umgerechnet sind das also mehr als zwei der 8,6 Millionen Zugkilometer.

Auch wenn die Zielrichtung des NVV ist, das aktuelle Fahrplanangebot bei Bus und Bahn zu bewahren, kündigt Rausch zumindest eine Neuerung an. So solle die Schienenverbindung nach Westen in Richtung Dortmund gestärkt werden.

Auch will Rausch gerne an dem Programm zur Erneuerung von Bahnhöfen festhalten. Noch hat der NVV für die Modernisierung der Stationen jährlich 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.

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