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Kasseler Lagerdrohnen im Feldversuch bei regionalen Unternehmen

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Von: Gregory Dauber

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Drohne im Demonstrationsflug: Dank der integrierten LED-Leuchten kann die Inventurdrohne auch nachts unterwegs sein, während der normal Lagerbetrieb ruht. Im Bild: Mohsen Asi von Doks Innovation.
Drohne im Demonstrationsflug: Dank der integrierten LED-Leuchten kann die Inventurdrohne auch nachts unterwegs sein, während der normal Lagerbetrieb ruht. Im Bild: Mohsen Asi von Doks Innovation. © Andreas Fischer

Ein Forschungsprojekt mit nordhessischen Partner befasst sich mit der Lagerlogistik der Zukunft. Das Vorhaben mit den Inventurdrohnen wird vom Bund gefördert.

Kassel – Lagerinventuren brauchen Personal und Zeit, verursachen Kosten, ohne zur Wertschöpfung beizutragen – dabei kann eine gute Lagerlogistik viele andere Geschäftsprozesse positiv beeinflussen und effizienter machen. Ein regionales Forschungsprojekt will eine Lösung für die automatisierte Bestandserfassung in Warenhäusern und Außenlagern entwickeln. Drohnen sollen die Arbeit verrichten, wenn sonst kein Betrieb ist.

Die Technologie stammt vom Kasseler Start-up Doks Innovation, zum Konsortium gehören außerdem die B. Braun Melsungen AG, das Regionalmanagement Nordhessen, der Buchgroßhändler Libri in Bad Hersfeld und das Volkswagen-Werk Kassel. Medizinbedarf, Bücher und Fahrzeugteile – in völlig unterschiedlichen Lagersituationen sollen die Drohnen zeigen, was sie können. Die versprochenen Vorteile: Weniger Inventurfehler, stets aktuelle Bestandsinformationen und keine Störung des eigentlichen Lagerbetriebes mehr. Später sollen so auch Schäden im Lager von Künstlicher Intelligenz erkannt werden.

Kassel: Konsortium will serienreifes Produkt entwickeln

„Unser Ziel ist ein serienreifes Produkt“, sagt Carl Severin, der bei Doks Innovation für neue Geschäftsfelder und Forschung zuständig ist. „Durch das Projekt verbinden wir unsere Innovation mit den Erfahrungswerten der Partner. Wir brauchen die Daten und den Echtbetrieb, um unser System zu perfektionieren“, erklärt Severin den Zusammenschluss. Den jetzt gestarteten Testversuchen ging eine umfassende Anforderungsanalyse voraus: „So haben wir rausgefunden, was das System leisten muss, und was auf den Wunschzetteln der Partner steht.“

Die Projektpartner: (von links) Astrid Szogs (Regionalmanagement), Tanita Reed (B. Braun), Carl Severin (Doks Innovation), Annika Schroeder (Regionalmanagement), André Oswald (Libri) und Helge Krug (Volkswagen).
Die Projektpartner: (von links) Astrid Szogs (Regionalmanagement), Tanita Reed (B. Braun), Carl Severin (Doks Innovation), Annika Schroeder (Regionalmanagement), André Oswald (Libri) und Helge Krug (Volkswagen). © Regionalmanagement Nordhessen

Das Drohnen-Projekt wird mit fast zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert und läuft bis Anfang 2023. Die Drohnen können alle branchenüblichen Barcodes einlesen und erschaffen digitale Zwillinge der Lagerstätten. Im Innenbereich werden die Fluggeräte durch ein Bodenfahrzeug ergänzt, mit dem sie per Kabel verbunden sind. Das sorgt dafür, dass die Drohne bis zu fünf Stunden fliegen kann – ein herkömmlicher Akku wäre nach nicht einmal einer halben Stunde aufgebraucht.

Das Bodenfahrzeug navigiert sich mit Kameras vollkommen autonom durch die Regalreihen, die Drohne kann bis zu 14 Meter hochfliegen und ist mit hellen LED-Leuchten für Nachteinsätze ausgestattet. Im Außenbereich nimmt das Fluggerät hochauflösende Bilder auf, die zu einem 3D-Modell verarbeitet werden, aus dem der Lagerbestand ermittelt werden kann.

Drei namhafte Partner: Volkwagen, Libri und B. Braun Melsungen

Das zweitgrößte Volkswagen-Werk in Deutschland steht in Nordhessen. Auf einer fast 30 000 Quadratmeter großen Fläche wird das sogenannte Leergut gesammelt – das sind rund 650 verschiedene Containertypen, in denen Bauteile durch das Werk transportiert werden. Das Drohnensystem erfasst die unterschiedlichen Container und ermittelt mithilfe von exakten Höhendaten aus dem 3D-Modell, wie viel Leergut wo steht.

Beim Buchhändler Libri in Bad Hersfeld sollen in einem chaotisch organisierten Teillager rund zwei Millionen Bücher laufend erfasst werden. „Wir hoffen, unsere Bestandsinformationen verbessern zu können. Das Schlimmste ist, wenn wir einen Auftrag nicht bedienen können, weil ein Titel nicht gefunden wird“, erklärt André Oswald als operativer Leiter des Standortes die Vorteile für sein Unternehmen.

Tanita Reed vom Prozess- und Materialmanagement bei B. Braun ergänzt: „Menschen können Fehler machen. Wenn diese gleich in der Nacht durch die Drohne erkannt werden, lassen sie sich schnell beheben. In einer einzigen, großen Inventur am Jahresende ist so was aber nicht mehr nachzuvollziehen.“ (Gregory Dauber)

Unterdessen nutzen auch vermehrt Rettungskräfte Drohnen. Die Witzenhäuser Wehr baut eine Drohnen-Einheit auf.

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