Kaufunger Stahlbauer liefert Konstruktion für indische Forschungsstation

Lamparter in der Antarktis

Futuristische Konstruktion: So wird die indische Antarktisstation aussehen, an der der Kaufunger Stahlbauer Lamparter beteiligt ist. Die V-förmigen Stelzen werden im Fels verankert. Computeranimation: Kaefer Construction/nh 

Kassel / Kaufungen. Ende August gehen Tausende von Einzelteilen mit einem Gewicht von 178 Tonnen auf die Reise von Kaufungen in die Antarktis. Es ist einer der außergewöhnlichsten Aufträge, die die Firma Stahlbau Lamparter jemals bekommen hat. Der Spezialist baut die Stahlkonstruktion für die indische Antarktisstation, die im Frühjahr 2012 entstehen soll. „Wenn da eine Schraube fehlt, ist der nächste Baumarkt 3000 Kilometer entfernt“, sagt Geschäftsführerin Heika Hartmann.

Was die Station insgesamt kostet, ist bislang nicht bekannt. „Unser Auftragsvolumen beträgt eine Million Euro“, sagt Claus-Peter Hartmann, der sich die Geschäftsführung mit seiner Frau teilt. Dafür bekommen die Inder eine Konstruktion aus Spezialstahl, der auch extreme Temperaturen von 70 Grad minus und orkanartige Winterstürme nichts anhaben können.

Als Generalunternehmer hat die Hamburger Firma Kaefer Construction den prestigeträchtigen Auftrag nach Deutschland geholt. Die Inder wollen deutsche Wertarbeit. „Die werden sie auch bekommen“, sagt Claus-Peter Hartmann.

Die Firma Lamparter ist ein Spezialist für schwierige Stahlkonstruktionen. Das 1200 Tonnen schwere, bogenförmig gewölbte Vordach des Moskauer Flughafens stammt aus der Kaufunger Fabrik. Den größten Auftrag hat man derzeit in Berlin. Dort baut die Bahn am Ostkreuz der Schienenverbindungen in der Hauptstadt einen neuen Bahnhof. Die Dachkonstruktion stellt Lamparter her. Auch bei der neuen Haupttribüne des Auestadions war die Firma beteiligt (siehe Artikel rechts).

90 Tage für Montage

Für die Montage der indischen Antarktisstation sind nur 90 Arbeitstage eingeplant. „Dann ist dort Sommer, es wird nicht ganz so bitterkalt“, sagt Heika Hartmann. Über den größten Binnenhafen Europas in Duisburg werden die Bausteine für die Station verschifft. Gut drei Wochen sind die Container mit der Zwischenstation Kapstadt in Richtung Südpol unterwegs. Die Station, die im Fels verankert wird, steht auf hohen Stelzen, damit sich der Schnee nicht an dem Gebäude auftürmen kann. Von der Krankenstation über die eigene Energieversorgung bis zur Meerwasserentsalzung und der Küche wird der Außenposten der Zivilisation ausgestattet sein. Selbst einen Gebetsraum und ein Kino werden die indischen Wissenschaftler vorfinden. Ebenso wie die internationale Konkurrenz wollen die Inder vor Ort sein, wenn in der Antarktis Bodenschätze gefunden werden.

Maximal 25 Jahre wird die Station in Betrieb sein. Danach muss sie zurückgebaut und abtransportiert werden. Das schreibt der internationale Antarktis-Vertrag vor.

Von Thomas Siemon

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