Kampf dem Katzenelend

Land gibt grünes Licht für Kastrations- und Registrierpflicht in Kassel

Suchen ein neues Zuhause: Derzeit gibt es im Tierheim Wau-Mau-Insel etwa 70 Fundkatzen. Leiter Karsten Plücker hofft, dass es mit Einführung der Kastrationspflicht weniger werden. Foto: Koch

Kassel. Die Kastrationspflicht für streunende Katzen kann kommen: Bereits im Sommer 2013 hatten Kassels Stadtverordneten eine solche Pflicht für frei laufende Katzen beschlossen, doch erst jetzt hat das Landeskabinett eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht und die Zuständigkeit auf die Kommunen übertragen.

Hessens Städte und Gemeinden können demnach die Rechtsgrundlage im Bundesdatenschutzgesetz nutzen, um Maßnahmen zum Schutz freilebender Katzen zu ergreifen. „Damit wird den Gemeinden eine große Chance geboten, viele Katzen vor Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten zu schützen“, sagte die für Tierschutz zuständige Ministerin Priska Hinz in Wiesbaden.

Auch Dr. Heiko Purkl, Leiter der Abteilung Tiergesundheit in Kassel, zeigt sich erleichtert, dass nun der Weg frei ist, um dem „Katzenelend“ einen Riegel vorzuschieben. „Wir haben seit vielen Jahren ein Problem mit freilaufenden Katzen“, sagt Purkl. Auch wenn Tierschutzorganisationen immer wieder streunende Tiere eingefangen, versorgt und kastriert haben, so hätten Freigängerkatzen den Vermehrungszyklus stets von Neuem angekurbelt. Die Folge: Das Kasseler Tierheim muss immer mehr Fundtiere in immer schlechterem Gesundheitsszustand aufnehmen. „Je höher die Populationsdichte, desto mehr Krankheiten können sich verbreiten“, erläutert Purkl. Allein im Stadtgebiet gebe es 2000 bis 3000 freilaufende Katzen.

„Meilenstein für Tierschutz“

„Das ist ein Meilenstein für den Tierschutz und die lang erwartete Grundlage für die Stadt Kassel zu handeln“, bewertet Christine Hesse, tierschutzpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion, die vom Landeskabinett beschlossene Verordnung. Bürgermeister Bertram Hilgen sei nun gefordert, ein „schnelles Ja zur praktischen Umsetzung zu geben“.

Doch noch gibt es keinen genauen Zeitpunkt, ab wann die Kastrationspflicht in Kassel gelten wird. Die „Katzen-Verordnung“ werde derzeit vom städtischen Rechtsamt juristisch geprüft, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Danach stehe der Entwurf noch auf der Tagesordnung von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. „Wir gehen davon aus, dass dies noch in diesem Jahr geschehen wird“, sagt Happel-Emrich.

Läuft alles nach Plan, müssen Kassels Katzenhalter – sofern es sich bei ihren Haustieren nicht um reine Stubentiger handelt – ihr Tier nicht nur kastrieren, sondern auch chippen oder tätowieren und schließlich registrieren lassen. Letzteres habe auch den Vorteil, dass der Besitzer ausfindig gemacht werden kann, wenn ein Tier entläuft, sagt Purkl. Wie jene Katzenhalter sanktioniert werden, die die neue Pflicht umgehen - dazu macht die Stadt noch keine Angaben. Purkl setzt vor allem auf Aufklärung. „Ich bin überzeugt, dass Sanktionierung dann nicht mehr nötig ist.“

Das sagt das Tierheim

Infos und Kontakt

Tel. 0561/861 56 80; www.wau-mau-insel.de

Treibende Kraft hinter der Forderung nach einer Kastrationspflicht war neben anderen Tierschützern auch Karsten Plücker, der Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel. „Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder Druck gemacht, unter anderem mit einem Brief an die Ministerin“, sagt Plücker. Dass der Weg für die Kastrationspflicht nun frei ist, sei hervorragend. „Wir versprechen uns davon über die Jahre weniger Katzenelend.“ Um das Thema zu befeuern, habe man gegenüber den Stadtparlamentariern die Zusage gemacht, etwa 80 000 Euro für die Kastration von 1000 Tieren bereitzustellen, deren Halter sich die Tierarztkosten (ca. 100 Euro) nicht leisten können. Diese Summe, die sich aus Spenden zusammensetzt, sei zwar hoch, „wir hoffen aber, künftig weniger für Fundtiere ausgeben zu müssen.“

Von Anja Berens

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