Gebäude soll verkauft werden

Land lässt Villa verfallen: Baudenkmal an der Querallee ist sanierungsbedürftig

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Keine gute Visitenkarte: In dem maroden Gebäude an der Querallee sind Teile des Hessischen Baumanagements angesiedelt. Die denkmalgeschützte Villa ist dem Verfall preisgegeben.

Kassel. Gesimse und Balustraden bröckeln vor sich hin, der Balkon ist unter einer blauen Plane versteckt und notdürftig abgestützt. Die neoklassizistische Villa an der Querallee bietet ein erbärmliches Bild.

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Die abblätternde Fassadenfarbe tut ein Übriges. Das 1896 errichtete Gebäude ist dem Verfall preisgegeben. Eigentümer des heruntergekommenen Baudenkmals ist das Land Hessen, das den desolaten Zustand zu verantworten hat. Ab 1951 / 52 waren an der Querallee das Sonderbauamt Kassel beziehungsweise das Staatsbauamt angesiedelt, das 2004 in Hessisches Baumanagement (HBM) umbenannt wurde.

Soll ebenfalls verkauft werden: Noch sind in der Villa an der Goethestraße / Ecke Olgastraße Mitarbeiter des Hessischen Baumanagements tätig.

Einen Hinweis darauf, wer hinter den hell erleuchteten Fenstern in dem Gebäude arbeitet, sucht man seit einiger Zeit vergebens. Das Schild mit der Aufschrift „Hessisches Staatsbauamt“ wurde abmontiert. Auch die Klingel an der Haustür gibt keine Auskunft.

Dafür baumelt ein Schild an einem Gerüst mit der Aufschrift „Betreten der Baustelle verboten“. Für die historische Villa sowie die beiden anderen von den 70 Mitarbeitern des HBM in Kassel genutzten Gebäude Querallee 19 und Goethestraße 46 ist seit 2001 das Hessische Immobilienmanagement (HI) zuständig.

Nur noch eine Dienststelle

Das HI sieht sich offenbar nicht in der Pflicht, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten. Der Landesbetrieb gibt sich einsilbig und kann auch keine Angaben über den Umfang der dringend notwendigen Sanierung machen. Pressesprecherin Christiane Bockler-Wentlandt verweist stattdessen auf den geplanten Auszug. Das HI sucht nach einem neuen Standort, an dem das Baumanagement in angemieteten Räumen unter einem Dach angesiedelt werden kann. Die bislang vom HBM genutzten Gebäude in Kassel sollen verkauft werden.

„Es ist beschlossene Sache, dass wir die beiden Dienststellen zusammenführen“, sagt HBM-Pressesprecher Axel Marbach. Leider habe man noch keine geeigneten Räume gefunden. „Aber wir haben unseren Bedarf angemeldet, auch im Blick auf die bauliche Situation.“ Den maroden Zustand habe das Baumanagement nicht zu verantworten, sagt Marbach. Er verweist auf das HI und die Oberfinanzdirektion, deren Liegenschaftsverwaltung früher für die Landesimmobilien zuständig gewesen sei.

Ob und in welchem Umfang die heruntergekommene Villa in der Vergangenheit saniert wurde, diese Frage will das HBM nach einigem Hin und Her nächste Woche beantworten. Die zuständigen Denkmalschützer sitzen beim Landesamt in Marburg.

Entwurf des Hofbauamtes

Das Gebäude an der Goethestraße / Ecke Olgastraße steht ebenfalls unter Denkmalschutz und macht zumindest von außen einen besseren Eindruck. Es wurde 1906 bis 1908 nach einem Entwurf des Königlichen Hofbauamtes als Dienstvilla des Oberlandesgerichtspräsidenten errichtet. Bis 1963 wurde es von der Justiz genutzt, seitdem ist es Sitz des Staatsbauamts beziehungsweise des Hessischen Baumanagements. KOMMENTAR

Von Ellen Schwaab

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