Polizeianwärter werden künftig wieder schlechter bezahlt

Land streicht Sonderzuschlag für Polizeischüler

Hessentag 2019, Bad Hersfeld, Polizeianwärter
+
kein Grund zum Lachen: Das Land Hessen hat einen Sonderzuschlag für Polizeianwärter wieder gestrichen. Dieses Foto entstand nach der Vereidigung von Kommissaranwärtern durch den Ministerpräsidenten und den Innenminister während des Hessentages 2019 in Bad Hersfeld.

Das Land Hessen hat einen Sonderzuschlag für Polizeianwärter in Höhe von 150 Euro gestrichen.

Kassel/Wiesbaden - Polizeinachwuchs ist heiß begehrt. Da es in der Vergangenheit regelmäßig zu wenige Polizeianwärter gab, hat sich das Land Hessen vor einem Jahr etwas einfallen lassen. Geeignete Bewerber sollten ab September 2020 mit einem Zuschlag von 150 Euro pro Monat dazu animiert werden, ihre Ausbildung bei der Hessischen Polizei zu beginnen. Mit diesem Zuschlag würde der Polizeinachwuchs in Hessen im Vergleich zu anderen Ländern bundesweit am besten bezahlt, sagte vor einem Jahr ein Sprecher des Innenministeriums gegenüber der HNA.

Dieser Zuschlag ist mittlerweile wieder gestrichen worden. Überraschend für Polizeianwärter, die ihre Ausbildung jetzt im Februar beginnen, und für die Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Ein Bewerber berichtet, dass er davon ausgegangen sei, dass er zu der Grundvergütung von 1345 Euro brutto, die im ersten Jahr gezahlt wird, auch den Zuschlag bekommt (siehe Abbildung rechts). Schließlich habe diese Information noch im November auf der offiziellen Internetseite der Hessischen Polizei gestanden. Auch beim Auswahlverfahren sei keine Rede davon gewesen, dass der Zuschlag wieder gestrichen werde, sagt der Bewerber. Er geht davon aus, dass junge Menschen aus anderen Bundesländern, die sich bei der Hessischen Polizei beworben haben, die Stelle deshalb im Februar nicht antreten werden.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher Lars Seeger sollen im nächsten Monat 385 neue Anwärter bei der Polizei ihre Ausbildung beginnen. Derzeit gehe man davon aus, dass auch alle Stellen besetzt werden. Auch ohne Sonderzulage von 150 Euro.

Die im Frühjahr 2020 angekündigte und gewährte Sonderzulage sei als Reaktion auf die „angespannte Bewerbersituation“ im vergangenen Jahr erfolgt. „Dies kann nach dem Hessischen Besoldungsgesetz dann in Betracht gezogen werden, wenn ein erheblicher Mangel an qualifizierten Bewerbern vorliegt“, so Seeger. Ziel sei es gewesen, einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, sich bei der Bewerbung für den Beruf des Polizeibeamten für Hessen zu entscheiden.

Mittlerweile habe sich die Situation aber entspannt. Im Vergleich zum Vorjahr stelle sich die aktuelle Bewerbersituation in 2021 deutlich besser dar, sodass die Einstellungszahlen auch ohne einen zusätzlichen Anreiz voraussichtlich vollständig erreicht werden könnten. „Die Voraussetzungen für einen Anwärterzuschlag sind nach derzeitigem Stand daher nicht gegeben“, so der Ministeriumssprecher.

Bei der GdP sieht man die unterschiedliche Bezahlung der Anwärter kritisch. „Auch wenn es rechtlich einwandfrei ist, so finde ich es moralisch verwerflich“, sagt Lars Elsebach, Vorsitzender der GdP Kassel. Es sei einfach nicht gerecht, dass die Anwärter, die ihre Ausbildung im September 2020 begonnen haben, besser bezahlt würden, als jene, die davor beziehungsweise danach bei der Polizei angefangen haben. Natürlich wolle man diesem Jahrgang den Zuschlag nicht streichen, so Elsebach, sondern alle Anwärter sollten ihn bekommen. Bei der GdP habe man erst jetzt erfahren, dass der Zuschlag wieder gestrichen werde. „Uns hat niemand gesagt, dass es sich um eine einmalige Geschichte handelt“, sagt Elsebach. ARCHIVFoto: Privat (nh)

(Von Ulrike Pflüger-Scherb)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.