Sie landen den ganz großen Wurf

Randsportart Casting: Junior-Weltmeisterschaften  auf den Waldauer Wiesen

Er zeigt, wie’s geht: Walter Heidemann ist zu alt, um bei den Junior-Meisterschaften anzutreten. In seiner Altersklasse ist er deutscher Meister. Foto: Ludwig

Kassel. Dieter Bohlen habe ihre Sportart in Verruf gebracht, sagt Kurt Klamet. Der Weltpräsident des Casting, eine Art Trockenangeln, legt Wert darauf, dass es seine Sportart lange vor Musiker-Casting-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ gegeben habe.

Nun ist Klamet zu Gast in Kassel, wo heute und morgen die Junior-Weltmeisterschaften stattfinden. Dabei treten auf den Waldauer Wiesen fast 60 Jungen und Mädchen aus sieben Ländern im Weit- und Zielwerfen mit ihren Angelruten an.

Casting sei ein „Hochleistungssport“, der viel Konzentration und Kraft erfordere, sagt Klamet. Nicht vergleichbar mit einem gemütlichen Angelnachmittag. In mehreren Disziplinen müssen die Sportler mit Gewichten und Fliegen-Ködern entweder ein Ziel treffen oder die Rute so weit wie möglich auswerfen. Je nach Gewicht werden Weiten von über hundert Metern erreicht. „Dabei sind alle Muskelpartien gefragt – wie bei der Leichtathletik“, sagt Klamet.

Aktualisiert um 12 Uhr

Anders als Diskuswurf oder Kugelstoßen ist Casting aber nicht olympisch. Nur in den 1930er-Jahren hatte es mal Wettkämpfe bei Olympischen Spielen gegeben. So alt ist diese Sportart schon, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Amerika nach Europa kam. Auf Anregung des Kasseler Sportamtes finden nun die Junior-Weltmeisterschaften in Kassel statt. Turnierdirektor ist Volker Krah aus Söhrewald.

Aber was macht die Faszination an dem Sport aus, zumal am Ende kein Fisch auf dem Teller liegt? „Es geht um den Wettkampf, den direkten Vergleich“, sagt Klamet. Zudem seien die Techniken beim Casting die Grundlage für erfolgreiches Angeln. Wenn es einem Angler gelinge, einen Köder präzise zu platzieren, habe er auch mehr Aussichten auf einen guten Fang. So sind die meisten der Sportler auch passionierte Angler.

Dennoch gehen sie im Wettkampf nicht mit herkömmlichen Ruten an den Start. Wie beim Aufmotzen von Rennautos werden auch die Angeln präpariert. Sie sind wesentlich härter als jene, die am See oder auf dem Meer zum Einsatz kommen.

Dem Sieger winken nur Ruhm, Ehre und ein Pokal. Selbst der Preis für den Weltmeister decke nicht einmal dessen Fahrtkosten zum Wettkampf ab, sagt Klamet. Favorit in Kassel sind die tschechischen Jugendlichen. Unter den deutschen Teilnehmern kommt niemand aus Kassel.

Die Nachwuchsgewinnung sei – wie bei vielen Randsportarten – ein Problem, sagt Klamet. Die Sportler könnten fast nur aus den Angelvereinen rekrutiert werden. In der Mehrzahl seien dies Jungs.

Die Junior-Weltmeisterschaft auf den Waldauer Wiesen ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. Am Freitag läuft der Wettbewerb von 9 bis 17 Uhr und am Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Von Bastian Ludwig

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