Statt Kokain gab es nur Natron

Brutaler Überfall auf Dealer: Junkies müssen in den Knast

Kassel. Ende vergangenen Jahres überfielen drei Somalier ihren Drogendealer am Holländischen Platz in Kassel. Nun wurden sie verurteilt. Sie hatten sich von dem Mann getäuscht gefühlt.

Der Überfall auf einen 18-Jährigen aus Eritrea in den frühen Morgenstunden des 5. Dezember vergangenen Jahres durch die drei gestern verurteilten Somalier hatte wohl einen für die Drogenszene typischen Hintergrund: Das Trio fühlte sich von seinem Dealer betrogen.

Der nämlich, so wurde vor dem Landgericht Kassel deutlich, hatten den drei Männern statt Kokain oder Heroin nur Natronpulver angedreht. „Das hat natürlich die Stimmung bei den Angeklagten nicht eben gehoben“, bemerkte Richter Gerd Rinninsland gestern während der Urteilsbegründung.

Als das Trio den Eritreer am Holländischen Platz traf, drängte es den jungen Mann auf einen Treppenabgang auf dem Uni-Gelände. Mit Schlägen und Schubsereien forderten sie den Dealer auf, ihnen Drogen auszuhändigen. Als der wieder nur ein Tütchen mit Natronpulver anbot, drohte der 33-jährige Angeklagte: „Gib ihnen, was du hast, sonst schlachten sie dich.“

Der Dealer gab, was er hatte - nämlich 20 Euro. Damit wäre die Sache eigentlich erledigt gewesen, doch dem 31-jährigen Angeklagten reichte das nicht. Er fügte dem anderen eine rund 20 Zentimeter lange Schnittwunde vom Ohr bis zum Hals und eine kleiner Wunde auf der Wange zu. Ob dies mit einer zerschlagenen Bierflasche oder einem mitgeführten Messer geschah, konnte nicht geklärt werden.

Der 31-Jährige wurde dafür zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Jüngste zu zwei Jahren. Bewährung gab es für beide nicht, weil sie erst drei Wochen vor der Tat aus dem Knast entlassen worden waren, wo sie wegen Körperverletzung gesessen hatten.

Der älteste Angeklagte ist bereits seit acht Jahren in Deutschland, hat zwischenzeitlich im Eschweger Flüchtlingsheim gelebt, ist als Asylbewerber anerkannt. „Sie könnten ja jetzt auch einfach arbeiten gehen“, sagte der Richter zu ihm. Vorher allerdings muss er 100 gemeinnützige Stunden Arbeit leisten. Die Stadt Kassel hat signalisiert, dass sie ihm nach der gestrigen Freilassung auf Bewährung einen Schlafplatz und später auch eine Wohnung anbieten kann.

Der 29-Jährige kam 2016, der 31-Jährige erst Anfang 2017 nach Deutschland, beide haben hier nur den Status von Geduldeten. Alle drei sind in Somalia geboren, dort auch unterschiedlich lang zur Schule gegangen und vor dem Bürgerkrieg geflohen. Die beiden jetzt zu Haftstrafen Verurteilten standen unter laufender Bewährung und hatten bereits Körperverletzungen und Ladendiebstähle auf dem Konto. Alle drei gaben an, Kokain und Heroin zu konsumieren und drogenabhängig zu sein.

Der 31-jährige Angeklagte hat nach eigenen Angaben zwei Kinder, die in Schweden leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.