Überfall auf Sparkasse in Altenritte

Landgericht senkt Strafmaß für Bankräuberinnen auf zweieinhalb Jahre

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Bankräuber aus Geldnot: Die 44-Jährige wurde wegen des Überfalls auf die Sparkasse Altenritte zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Kassel. Statt drei muss eine 44 Jahre alte Bankräuberin nach der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht nur noch zweieinhalb Jahre hinter Gitter.

Ihre 40-jährige Lebenspartnerin, die lediglich das Auto beim Überfall in Baunatal am 14. Oktober 2015 gesteuert hatte, erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Das Amtsgericht hatte noch beide Frauen für den Überfall auf die Sparkassenfiliale in Altenritte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die 7. Strafkammer des Landgerichts kam zu einer etwas milderen Bewertung der Ereignisse. Die von der 44-Jährigen eingesetzte Softair-Pistole sei nicht geeignet gewesen, erhebliche Verletzungen herbeizuführen, erklärte Richter Reichhardt. Dies führe zu einer Einordnung des Überfalls als minder schweren Fall und einer niedrigeren Strafe.

Die 40-Jährige wiederum habe glaubhaft machen können, dass sie bis kurz vor dem Überfall nichts von den Plänen ihrer Partnerin gewusst habe. Bis kurz vor der Tat habe sie gehofft, dass es zu keinem Überfall kommen werde. Ihre Beteiligung werde lediglich als Beihilfe eingestuft, daher sei eine Strafe zur Bewährung möglich. Tatsächlich waren die beiden Frauen vor zwei Jahren alles andere als professionell vorgegangen. Zur Bank fuhren sie im eigenen Auto. Im Schalterraum zwang die Ältere die Bankangestellte mit vorgehaltener Softair-Pistole zur Öffnung des Tresors und zur Herausgabe von 110.000 Euro. Bei der Flucht schrieb sich der Filialleiter das Kennzeichen des Autos auf, das die Polizei schnell in die Wohnung des Paares führte.

Nein, sagten die Frauen vor dem Landgericht aus, das Geld hätten sie nicht gezählt, sondern erst einmal im Nähkästchen verstaut. Dann habe die eine der anderen die Haare gewaschen bevor es sich beide vor dem Fernseher gemütlich machten. Wenig später kam die Polizei, stellte das Geld sicher und nahm beide Frauen fest.

„Wir haben nie über einen Banküberfall als Mittel zur Geldbeschaffung gesprochen“, behauptete die sehr maskulin wirkende 44-Jährige. Die spontane Idee dazu sei aus der puren Geldnot geboren. Beide bezogen damals Hartz IV, fürs Leben mit dem 18-jährigen Sohn der Älteren seien gerade einmal 200 Euro im Monat übrig geblieben.

Als sie ihrem Sohn nicht einmal mehr eine gescheite Mahlzeit bieten konnte, habe sie sich zum Überfall entschlossen: „Der Junge sollte mal wieder was Warmes im Bauch haben“, begründeten die beiden nicht vorbestraften Frauen ihr kriminelles Handeln.

Am Abend sei eigentlich ein Gang zum „China-Mann“ geplant gewesen. Da wäre das Geld aus dem Überfall natürlich zum Bezahlen der Rechnung sehr willkommen gewesen. Beim Sohn habe sie 700 Euro Schulden zurückzahlen wollen. Grundsätzlich aber seien beide schon vor dem Auftauchen der Polizei in ihrer Wohnung zum Entschluss gekommen, das Geld zurückgeben zu wollen.

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