„Sich selber etwas zutrauen“

Landtagswahl: Andreas Ernst tritt für die FDP als Direktkandidat im Kasseler Osten an

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Von Harleshausen in den Vorderen Westen gezogen: Kandidat Andreas Ernst im Café am Bebelplatz.

Kassel. Fürs seelische Gleichgewicht hat Andreas Ernst offenbar Vorsorge getroffen: 1981, das weiß er noch genau, ist der Landtagsbewerber der FDP für den Kasseler Osten zum glühenden Bayern-München-Fan geworden. Fußballmäßig kann er sich also stabil auf der Siegerseite fühlen.

Auf Zustand und Prognosen seiner Partei angesprochen, denkt Ernst kurz nach und sagt: „Es gibt manchmal nichts Schlimmeres, als in der FDP zu sein.“

Aber was will man machen, wenn es um die Überzeugung geht? Oberhalb von Ortsbeiräten hat der Kandidat zwar keine Parlamentserfahrung, dafür aber das, was man als klassische liberale Biographie bezeichnen könnte. Die Eltern, beide früh verstorben, hatten in Staufenberg-Uschlag eine Gaststätte, aus der sich ein Getränkegroßhandel entwickelte. Ernst arbeitete früh im Familienunternehmen mit, die Selbstständigkeit blieb sein Lebensmodell. „Beruflich gab es für mich immer ein Auf und Ab“, sagt er. Als seine Zwillingstöchter geboren wurden, sei klar gewesen, „dass ich selbst es bin, der dafür etwas tun muss“. Obwohl Ernst und seine Frau inzwischen getrennt leben, arbeiten sie weiter zusammen in Ernsts Versicherungsmaklerbüro. Man sehe sich oft persönlich, „oder wir treffen uns im Internet.“

Das sei das Gute an seinem Job: „Ich brauche nur einen Computer, ich kann von überall aus arbeiten.“ So habe er seine Mutter vor deren Tod ein halbes Jahr lang in deren Herkunftsland Österreich pflegen können.

Erlebnisse aus dem familiären Alltag hätten ihn auch zur Politik gebracht, erzählt Andreas Ernst: Eines Tages sei plötzlich die geliebte Rutsche auf dem Spielplatz seiner Töchter abgebaut gewesen – dies habe ihn zum Mitmachen im Ortsbeirat bewogen. Zur FDP gekommen sei er durch die Bekanntschaft mit der Familie des liberalen Kasseler Urgesteins Richard Wurbs. Den früheren Bundestagsvizepräsidenten bezeichnet Ernst als persönliches Vorbild.

Seine Landtagskandidatur im Kasseler Osten, einer Hochburg von SPD und Linkspartei, sieht der FDP-Bewerber (Listenplatz 48) mehr als „sportliche Herausforderung“ denn als reelle Chance auf ein Mandat. Als Wahlkämpfer, sagt Ernst, wolle er dafür werben, „dass sich die Menschen selber etwas zutrauen“, statt sich als bloße Objekte politischer Entscheidungen zu empfinden: „Ich sehe nicht gerne dabei zu, wie nur gejammert wird.“

Von Axel Schwarz

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