19 Wohnungen in Nordhessen ausgeräumt

Lange Haft für Kasseler Serieneinbrecher

Kassel. Deftige Strafen für zwei Serieneinbrecher, die zwischen 2013 und 2016 in 19 Wohnhäuser in Kassel und Nordhessen eingebrochen sind.

Die 1. Strafkammer am Landgericht Kassel mit Richter Jürgen Dreyer an der Spitze verurteilte den 36-jährigen Angeklagten zu vier Jahren, seinen 33-jährigen Kumpane, der an sechs Einbrüchen beteiligt war, zu drei Jahren Haft.

Die beiden Männer aus Bosnien-Herzegowina sitzen seit Februar in der JVA Kassel in Untersuchungshaft und werden dort nun auch noch für einige Zeit bleiben.

In seiner Urteilsbegründung hob Dreyer besonders auf die psychischen Schäden der Einbruchsopfer ab, die oft jahrelang unter den Folgen litten und sich im eigenen Heim nicht mehr sicher fühlten. Dies war besonders bei der Aussage des früheren Weltklasse-Leichtathleten Alwin Wagner spürbar geworden.

Beide Angeklagte waren zum Zeitpunkt der Einbrüche schwer heroinabhängig. Die Beute im Gesamtwert von 130.000 Euro wurde nach ihren Angaben meist direkt an russische Dealer am Stern gegen die Droge eingetauscht - eine Aussage, die weder Richter Dreyer noch Staatsanwältin Richter glauben mochten.

Der ältere Angeklagte war jeweils zur dunklen Winterzeit eigens für die Einbrüche vom Balkan angereist. Meist wurden Fenster oder Terrassentüren aufgebrochen, die Häuser verwüstet. In Witzenhausen erbeuteten sie eine Münzsammlung im Wert von 25.000 Euro, in Melsungen eine für über 50.000 Euro. Die Einbruchziele lagen in Niestetal und Nieste, in Witzenhausen, Habichtswald, Bad Arolsen, Immenhausen, Lohfelden, Melsungen, Fuldatal, Espenau, Bad Emstal und besonders zahlreich in Kassel, wo beide Männer auch im Struthbachweg wohnten.

Geschnappt wurden sie nach einer zufälligen Verkehrskontrolle in Kassel, bei der sie 2700 Euro in bar und zahlreiche Beutestücke aus diversen Einbrüchen im Auto hatten. Danach waren beide von der Polizei observiert worden, ehe sie schließlich festgenommen wurden.

Die Taten wurden oft gemeinsam mit anderen Männern begangen, zwei davon werden vor der 5. Strafkammer angeklagt.

Beide Männer hielten sich illegal in Deutschland auf, der Asylantrag des jüngeren, der seit Mitte 2015 in Hamburg lebte, war abgelehnt worden, es hatte aber keine Ausweisungsbemühungen der Behörden gegeben.

Die Kindheit beider Männer wurde vom Balkankrieg geprägt, einer hat keine Ausbildung und nie gearbeitet, der jüngere nur selten.

Seit sie in Haft sind, wurden sie entgiftet, aus den extrem heruntergekommenen Junkies wurden jetzt halbwegs normale Männer. Beide entschuldigten sich und bedankten sich für die Hilfe beim Drogenentzug, die ihnen zuteil wurde.

Rubriklistenbild: © dpa

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