Sexueller Missbrauch: Landgericht verurteilt Wiederholungstäter zu zehn Jahren plus Sicherungsverwahrung

Lange Haftstrafe für Vergewaltiger

Kassel / Baunatal. „Unheimlich“ nannte Richter Volker Mütze die Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten. Und das durfte man getrost im doppelten Sinne verstehen: als unheimlich schnell und unheimlich beunruhigend.

Erst im Dezember 2010 war der 35-Jährige nach dem Verbüßen einer Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs aus dem Gefängnis entlassen worden. Und schon in den Weihnachtsferien hatte er in Baunatal wieder zugeschlagen. Die Quittung bekam der Mann am Montag vom Kasseler Landgericht überreicht: Nach zweimonatigem Prozess wurde er wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung in insgesamt 14 Fällen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem ordnete die Strafkammer die anschließende Sicherungsverwahrung des Angeklagten an. „Er hat absolut keine Lehren aus der Haft gezogen“, sagte Mütze. „Entweder er will es nicht einsehen, oder er kann es nicht.“

Gerade einmal vier Monate hatte der gelernte Einzelhandelskaufmann bis zu seiner neuerlichen Festnahme in Freiheit verbracht – und sich nach Überzeugung des Gerichts in dieser kurzen Zeit an fünf Jungen vergriffen. Obwohl ihm die Kontaktaufnahme zu Kindern nach der Haft förmlich verboten worden war, habe sich der Mann gezielt mit seinen zwölf bis 14 Jahre alten Opfern angefreundet. Seine „tief verwurzelte Neigung“ habe er ihnen und ihren Eltern dabei verschwiegen – und stattdessen behauptet, lediglich wegen Steuerhinterziehung hinter Gittern gesessen zu haben.

Kinder wurden angelockt

„Die Kinder gingen bei ihm praktisch ein und aus“, sagte Mütze. Angelockt von Geschenken. Von den Soft-Air-Waffen des Angeklagten, mit denen sie spielen durften. Und von den Filmen, die er ihnen zeigte. „Man hat sich Pornos auf dem Laptop angeschaut“, erklärte der Strafkammervorsitzende. „Wo kann man das sonst als 13-jähriges Kind?“

Drohung und Gewalt

Aber auch vor der Einschüchterung durch Drohungen und Gewalt sei der 35-Jährige nicht zurückgeschreckt, um seinen sexuellen Willen durchzusetzen. Dem Angeklagten war zu alledem an den sieben Verhandlungstagen kein Wort über die Lippen gekommen. Dem psychiatrischen Gutachter hatte er vor Prozessbeginn jedoch gesagt, dass die Vorwürfe erfunden seien – ein bloßes Komplott gegen ihn.

Und dieser Linie folgend, plädierte Verteidiger Markus Sittig am Ende auch auf Freispruch. Das Gericht aber schloss sich mit seinem Urteil der einhelligen Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage an und befand: Die Aussagen der Kinder seien absolut glaubwürdig.

Oder allenfalls noch untertrieben. So habe einer der Jungen, vielleicht aus Scham, wohl nicht alles erzählt. „Welcher 13-Jährige bittet darum, dass bei ihm ein Aids-Test gemacht wird, wenn ihm nur in die Hose gefasst worden wäre?“, fragte der Vorsitzende Richter Mütze und folgerte: „Da war mehr.“

Von Joachim F. Tornau

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