Fall Halit Yozgat

Fall Halit Yozgat: Langer Weg bis zur NSU-Gerichtsverhandlung

Am 6. April 2006 wird der 21-jährige Halit Yozgat in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße 82 erschossen. Der Täter, der unerkannt entkommt, hatte den 21-Jährigen mit einer Pistole des Fabrikats Ceska, Typ 83, Kaliber 7,65, durch einen Kopfschuss ermordet.

Er verübte die Tat im Empfangsraum, wo sich Yozgat befand, während sich einen Raum weiter Besucher aufhielten. Ihnen war nichts aufgefallen. Der Täter hatte einen Schalldämpfer benutzt und durch eine Plastiktüte geschossen. Die Polizei ordnete das Verbrechen in eine Mordserie ein: Seit September 2000 waren im Bundesgebiet neun Menschen umgebracht worden, darunter acht Türken und ein Grieche. Auffallend: Die Ermordeten waren Kleingewerbetreibende, darunter viele mit Imbissstuben, weshalb die Serie zunächst als „Dönermorde“ bezeichnet wurde. Außer in Kassel war in Nürnberg, München, Rostock, Hamburg, Dortmund getötet worden. Lange war jedoch unklar, wer für die Morde verantwortlich ist. Mehrere Hinterbliebene der Opfer kritisieren, dass sie jahrelang durch die Ermittler kriminalisiert worden seien.

Halit Yozgat

Erst im November 2011 kommt die ungeheuerliche Wahrheit ans Licht: Die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ist offenbar für die zehn Morde verantwortlich.

Am 4. November 2011 werden die beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach einem Banküberfall tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil in einem Vorort von Eisenach gefunden. In Zwickau geht die Wohnung, in der die beiden mit Beate Zschäpe gelebt hatten, in Flammen auf. Einen Tag später stellt sich Zschäpe der Polizei in Jena. Am 11. November gibt die Bundesanwaltschaft bekannt, dass in der ausgebrannten Wohnung die Waffe der „Dönermord-Serie“ gefunden worden ist.

Untersuchungsausschuss

Seit Jahresanfang 2012 arbeitet sich der Neonazi--Untersuchungsausschuss im Bundestag durch riesige Aktenmengen, um die Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle NSU aufzuarbeiten - zunehmend geht es auch um Ermittlungsdebakel rund um die Mordserie mit zehn Toten.

Seit dem 6. Mai 2013 findet in München vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts das Gerichtsverfahren gegen mehrere Personen statt, die in Verbindung mit dem NSU gebracht werden. Angeklagt sind Beate Zschäpe sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer. Zschäpe muss sich unter anderem wegen Mittäterschaft in zehn Mordfällen, schwerer Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten.

An das NSU-Opfer Halit Yozgat erinnern in Kassel mittlerweile ein Platz am Hauptfriedhof und eine Straßenbahnhaltestelle. Platz und Haltestelle in Tatortnähe waren Ende 2012 nach dem 21-Jährigen benannt worden. Eine Gedenktafel auf dem Halit-Platz erinnert an alle zehn Opfer des NSU. (use)

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