Neues Computerprogramm und hoher Krankenstand

Langes Warten aufs Geld - Jobcenter Kassel bittet um Verständnis

Kassel. Viele der 21.650 Hartz-IV-Empfänger in der Stadt müssen länger auf Geld warten, das ihnen zusteht.

Der Grund: Das Jobcenter Kassel kämpft weiterhin mit der Umstellung auf ein neues Computerprogramm und einem hohen Krankenstand.

Deshalb könnten „leider auch in den nächsten Monaten Verzögerungen bei der Bearbeitung“ nicht ausgeschlossen werden, hat Jan Rümenap, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters, kürzlich einer Betroffenen geschrieben. Die Frau wartet seit Wochen auf eine Nachberechnung, weil sich die Vorauszahlungen für die Heizkosten ihrer Wohnung erhöht haben. „Ich muss jeden Cent umdrehen, um eine warme Wohnung zu haben“, beschreibt sie das Problem: „Mir fehlen 50 Euro im Monat.“ Weil die Leistungsabteilung des Jobcenters überlastet ist, bleiben solche Nachberechnungen länger liegen, gibt es für die betroffenen Arbeitslosen trotz höherer Kosten nicht mehr Geld. In der Folge geraten viele Menschen in Finanznot.

„Wir bitten alle, die es betrifft, um Verständnis, wenn wir hier ausnahmsweise etwas mehr Zeit als gewohnt brauchen sollten“, sagt Petra Böhles, Sprecherin des Jobcenters. Die Umstellung auf das neue, bundeseinheitliche Computerprogramm binde Arbeitskraft. Und „unser Krankenstand ist immer noch hoch“, erklärt Böhles. Wie hoch der Krankenstand unter den 270 Mitarbeitern genau ist, dazu macht das Jobcenter keine Angabe.

„Unsere Mitarbeiter im Bereich Leistung arbeiten mit großem Einsatz, um den von der Bundesagentur für Arbeit gesetzten Umstellungstermin 30. Juni 2015 zu schaffen“, sagt die Sprecherin. „Wir können leider nicht einfach irgendwelche zusätzlichen Arbeitskräfte ranholen, um die Arbeit zu bewältigen.“ Für die Software-Umstellung seien die Kollegen speziell geschult worden. Und die Leistungsgewährung setze spezielle Fachkenntnisse und Erfahrung voraus. Deshalb sei es auch nicht möglich, Mitarbeiter anderer Abteilungen in der Leistungsgewährung einzusetzen.

Neu- und Weiterbewilligungsanträge würden mit erster Priorität bearbeitet. Damit stelle man sicher, dass Menschen, die Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen hätten, ihr Geld zuverlässig bekämen. Bei Neuberechnungen in laufenden Anträgen könne es bis zum Ende der Computer-Umstellung zu leichten Verzögerungen kommen. Jobcenter-Chefin Christel Högemann-Lohse hatte vor wenigen Tagen hingeworfen und ihr Amt nach nur elf Monaten wieder aufgegeben. (ach)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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