Pflegekasse gab ihr Geld für barrierearmes Badezimmer

Mieterin der Wohnstadt wartete ein Jahr auf Badumbau

Unglücklich: Brigitte Geist hatte den Umbau bei der Wohnstadt beantragt und dafür Geld von ihrer Pflegekasse bekommen. Da die Heizung defekt ist, konnte die Mieterin ihr Bad bislang nicht nutzen.
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Unglücklich: Brigitte Geist hatte den Umbau bei der Wohnstadt beantragt und dafür Geld von ihrer Pflegekasse bekommen. Da die Heizung defekt ist, konnte die Mieterin ihr Bad bislang nicht nutzen.

Kassel – Was nutzt die schönste Dusche, wenn die Heizung nicht funktioniert? Sie könne nicht mehr, klagt die 74-jährige Brigitte Geist im HNA-Gespräch. Denn hinter ihr liegt fast ein Jahr Ärger ums Badezimmer – mit dem Ergebnis, dass sie sich weiterhin in der Küche wäscht.

Dabei war die Freude anfangs groß, als ihre Pflegekasse einem Zuschuss von 4000 Euro zur Umgestaltung des Badezimmers ihrer Mietwohnung der Wohnstadt zustimmte. Statt einer Badewanne sollte es eine Dusche werden, denn wegen ihrer Gehbehinderung konnte Geist die Wanne nicht mehr nutzen.

Seit dem Umbau, der laut Wohnstadt den kompletten Austausch der Sanitärinstallation des Bades inklusive Leitungen umfasste, habe sie zeitweise 14 Grad im Badezimmer. „Die Dusche habe ich bis heute nicht genutzt, weil es zu kalt ist.“ Die Heizung müsse dauerhaft auf höchster Temperatur stehen und sogar regelmäßig nachgefüllt werden. Erst ein paar Monate nach Abschluss der Arbeiten habe sie gemerkt, dass es hinter der Wand ein Leck zu geben scheint – als ihr Schrank unter dem Waschbecken bereits aufzuquellen begann.

Etliche Male habe sie seitdem bei der Haustechnik angerufen, um die Heizung nachfüllen zu lassen – auch am Wochenende. Damit führt sich etwas fort, was schon vor dem Umbau begonnen hat: Nachdem ihre Pflegekasse im März letzten Jahres dem Zuschuss zugestimmt hatte, seien im Juni Wohnstadt und beauftragte Firma vor Ort gewesen, Mitte August sollten die Arbeiten beginnen. „Anfang August fragte ich bei der Firma nach, da hieß es, die Wohnstadt hätte sich nicht noch einmal gemeldet, um den Auftrag zu bestätigen.“ Erst im November, nach vielen Nachfragen ihrerseits, sei das Bad saniert worden. „Für einen alten Menschen ist das so zermürbend.“

Es sei schwierig gewesen, Firmen zu bekommen, räumt die Wohnstadt ein – wegen voller Auftragsbücher und dem durch die Pandemie veränderten Arbeitsalltag. „Das Ziel, im Jahr 2020 fertig zu werden, wurde – mit Ausnahme des Fensters – dennoch erreicht“, so ein Sprecher. Auch habe man sich der undichten Stelle an der Heizung angenommen: „Leider ist es erst der dritten Firma gelungen, das Problem zu lokalisieren.“

Einer Reparatur habe sich die Mieterin zuletzt verwehrt. „Ohne Ankündigung kam eine Firma vorbei und fing plötzlich an, Fliesen im Bad abzuschlagen“, schildert die Mieterin die Situation. Das habe sie nicht zugelassen.

„Ich bin fix und alle, ich kann nicht mehr.“ Sie fühle sich von der Wohnstadt im Stich gelassen. „Ich habe so oft dort angerufen, aber wurde nicht gehört.“ Zwei Wochen lang habe sie, die zum Putzen auf Hilfe angewiesen ist, Dreck in der Wohnung gehabt, konnte tagsüber nicht die Toilette benutzen. Jetzt sei es nur noch einen guten Monat hin, bis sie die Wohnung ohnehin zugunsten eines betreuten Wohnens verlasse.

„Die Mieterin wurde zu keinem Zeitpunkt im Stich gelassen“, widerspricht die Wohnstadt, die auch nicht akzeptierte, dass Brigitte Geist den 4000 Euro-Zuschuss ihrer Pflegekasse, den sie an den Vermieter abgetreten hatte, zurückziehen wollte. Der Zuschuss durch die Pflegekasse sei für den „aufwendigen Badumbau“ mit entscheidend gewesen. „Der Mieterin sind durch die Sanierung keine finanziellen Mehrbelastungen zum Beispiel durch eine Mieterhöhung entstanden“, teilt die Wohnstadt mit.

Von Anna Lischper

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