Den neuen Personalausweis auszustellen, benötigt drei mal mehr Zeit als vorher

Langes Warten auf den neuen Personalausweis

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Volles Haus: Im Wartesaal des Bürgerbüros Mitte ist kaum ein Sitzplatz mehr frei. Der neue Personalausweis bereitet dem Rathaus-Personal eine Menge Mehrarbeit.

Kassel. Lange Wartezeiten und Gemurre im Bürgerbüro des Kasseler Rathauses. Der Wartesaal ist voll, die Stimmung schlecht. „Jetzt bin ich extra früh gekommen, und warte trotzdem schon eine Dreiviertelstunde“, sagt eine Seniorin im voll besetzten Vorraum.

Ihr Banknachbar, ein Student, nickt. Er hat einen Zettel mit der Wartenummer 184 gezogen. 30 Nummern sind vor ihm dran. „Ich bin heute schon zum dritten Mal hier und hoffe, dass es jetzt klappt“, sagt ein Vater, der mit seiner kleinen Tochter gekommen ist.

Wer dieser Tage das Bürgerbüro Mitte aufsucht, sollte Zeit mitbringen.

Elektronisches Dokument

Grund für die Verzögerungen ist der neue fälschungssichere Personalausweis. Seit dem 1. November stellen Bürger- und Einwohnermeldeämter einen neuen elektronischen Personalausweis aus. „Das führt zu einer erheblichen Verlängerung der Bearbeitszeit der Bürgerbüro-Mitarbeiter“, sagte Rathaus-Sprecher Hans-Jürgen Schweinsberg auf HNA-Anfrage. Die Zeit für die Ausstellung allein eines Dokuments habe sich verdreifacht. Dauerte es früher acht Minuten, einen Personalausweis auszustellen, so müssten für den neuen Personalausweis bis zu 30 Minuten Arbeitszeit gerechnet werden. Im Wartesaal könnte die Wartezeit „im Einzelfall schon mal eine Stunde dauern“, sagt Schweinsberg.

Die missliche Situation treffe alle Rathäuser nicht nur das Kasseler, sagt er: „Sämtliche Kommunen und Spitzenverbände sind damit unzufrieden.“ Die Probleme im Zusammenhang mit dem neuen Personalausweis sei ja allen „vom Bund aufgedrückt worden. Da sind wir fremdbestimmt.“ Man hätte auch gut mit dem alten Personalausweis weiterleben können. Doch das Personal im Rathaus könne nicht einfach aufgestockt werden. „Die Haushaltssituation lässt das nicht zu“, sagt Schweinsberg.

Von Anfang an hatte der neue Perso Probleme bereitet. Zunächst war eine Panne aufgetreten: Der hessische Software-Dienstleister ekom 21 musste erklären, dass 5000 von insgesamt 70 000 in Hessen ausgegebenen Dokumenten fehlerhaft waren. Es gab einen Rückruf-Aktion für einige Dokumente, auch in Kassel. Anschließend traten Probleme mit der Software für die Änderungsgeräte im Rathaus auf.

Für die Einführung des neuen Personalausweises mussten neue Techniken und Computerprogramme installiert werden. 33 Arbeitsplätze in den Bürgerbüros wurden umgestellt und mit Terminals versehen, 40 Sachbearbeiter wurden geschult.

Im Februar wurden im Bürgerbüro 6880 Kunden gezählt, 950 davon beantragten einen neuen Personalausweis.

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