Langjähriger ZF-Luftfahrt-Chef Dr. Konrad Joecks verabschiedet sich

Wechsel bei ZFL: Burkhard Siebert (links) übernimmt die Geschäftsführung von Dr. Konrad Joecks, der 13 Jahre das Sagen in dem Unternehmen am alten Flughafen hatte. Unser Foto zeigt sie vor einer ausgemusterten BO 105. Foto: Pinto

Kassel. Bei der ZF Luftfahrttechnik Calden, dem Spezialisten für Hubschraubergetriebe, geht eine Ära zu Ende. Heute wird Dr. Konrad Joecks verabschiedet, der mit 61 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand wechselt.

„Das war eine tolle Zeit“, sagt der promovierte und habilitierte Technikwissenschaftler wehmütig. Vor allem das Team und die vielen Freunde, die er im Laufe der Zeit in Nordhessen gewonnen hat, werden ihm fehlen. Vor 16 Jahren kam er zu ZF, seit 2002 war er Geschäftsführer des Unternehmens.

Professuren hat er in dieser Zeit ausgeschlagen und eine Reihe von Angeboten aus der Industrie. „Ich fand Calden immer schöner, und so bin ich geblieben“, sagt der verheiratete Vater einer längst erwachsenen Tochter.

In seiner Zeit hat sich der ZFL-Umsatz auf 71,5 Millionen Euro verdoppelt, die Profitabilität deutlich gesteigert - konkrete Ergebniszahlen für Calden nennt der Friedrichshafener Konzern traditionell nicht.

Joecks hinterlässt seinem Nachfolger Burkhard Siebert ein geordnetes Haus mit sehr guter Auslastung, einer Reihe von neuen Produkten und ordentlichem Auftragspolster. Der will das Geschäft weiter internationalisieren und den Umsatz kräftig steigern.

Großes Potenzial sieht Siebert im Riesenmarkt USA, vor allem aber auch in Asien, wo neue Hersteller in den Startlöchern stehen. „Die wollen wir beliefern“, sagt der 55-Jährige, der in Kassel die Max-Eyth-Schule besuchte, in Göttingen Geografie studierte und seit 1988 für Airbus an zahlreichen europäischen Standorten arbeitete.

Joecks und Siebert kennen sich schon lange - die Luftfahrttechnik-Welt ist klein. Und es darf unterstellt werden, dass der alte Chef den neuen maßgeblich mit ausgesucht hat. Aber Joecks geht nicht endgültig. Er bleibt dem Unternehmen in beratender Funktion verbunden, was Siebert ausdrücklich begrüßt.

Und was wird der umtriebige Entscheider mit Herz und sozialer Verantwortung noch tun? „Segeln, Uni-Vorlesungen halten, weil ich gern unter jungen Menschen bin, und ein Buch schreiben“, verrät er. Worüber? Über Manager, die sich zu wichtig nehmen und zur Durchsetzung ihrer Ziele in immer neue Verkleidungen schlüpfen. „Der Industrieschauspieler“ soll der Titel lauten, sagt er scherzhaft.

Hintergrund

ZF ist nach Continental und Bosch mit einem Jahresumsatz von 18,4 Milliarden Euro und 71 400 Mitarbeitern der drittgrößte deutsche Autozulieferer. Das könnte sich schon bald ändern, denn der Konzern ist dabei, für rund elf Mrd. Euro den US-Wettbewerber TRW zu übernehmen. Wenn dies gelingt, wächst der Umsatz auf fast 31 Mrd. Euro, die Zahl der Mitarbeiter auf 138 000. Damit wären die Friedrichshafener die weltweite Nummer zwei.

ZF gehört zu 93,8 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die wiederum von der Stadt Friedrichshafen kontrolliert wird. Damit ist das Unternehmen uneinnehmbar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.