Zwei junge Männer müssen sich wegen räuberischen Diebstahls verantworten

„Lass los, ich will keine Frau schlagen“

Kassel. Nur an einem Punkt der Verhandlung blitzt im Ton der Amtsrichterin sanfte Ironie auf: „Na, vielleicht wollte sie ihre Tasche wiederhaben“, sagt sie dem 20-jährigen Angeklagten über die Frau, die kurz zuvor noch auf dem Zeugenstuhl gesessen hat. Gerade hat der junge Mann gestanden, an einem späten Abend im Oktober die Tasche der 22-Jährigen an sich genommen zu haben. Die Frau sei ihm gefolgt, habe ihn am Kragen gepackt - und auch noch festgehalten als er mehrfach sagte: „Lass mich los, ich will keine Frau schlagen.“

Ob der 20-Jährige die Frau dann doch schlug - oder ob sein 19-jähriger Kumpel, der neben ihm auf der Anklagebank sitzt, tätlich gegen sie wurde, gehört zu den Fragen, die die Verhandlung klären soll. Die beiden jungen Männer aus Kassel sind des räuberischen Diebstahls sowie der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Der 19-Jähriger sitzt in dieser Sache in Untersuchungshaft. Der 20-Jährige in einer anderen, bei der noch die Ermittlungen laufen.

Der jüngere Mann macht keine Angaben zu dem Vorfall im Oktober. Die betroffene Frau wiederum schildert, wie sie damals gemeinsam mit einem Freund nahe dem Dock 4 auf einem Seil balanciert habe. Die beiden Angeklagten hätten sich zu ihnen gesellt, man habe sich unterhalten, geraucht. Dann habe der 20-Jährige ihre Tasche gegriffen und sich damit entfernt.

Der 19-Jährige habe versucht, sie aufzuhalten. Doch sie lief hinterher. In dem Konflikt, der dann folgte, sei es schließlich der 19-Jährige gewesen, der ihr gegen den Kopf geschlagen, auf ihr gekniet und ihr gegen den Hals gedrückt habe. Der 20-Jährige betont, auch sein Kumpel habe die Frau nicht geschlagen: „Das hat sie einfach so dazuerfunden.“

Anders als bei der Polizei fallen die Aussagen dreier Zeugen aus, die wegen einer weiteren Anklage gehört werden. Im Mai soll der 19-Jährige in einer Straßenbahn auf sie eingeschlagen haben - unter anderem mit einem Teleskop-Schlagstock. Dazu legt der junge Mann ein Geständnis ab. Er habe zuvor mit einem Kumpel eine Flasche Whiskey geteilt. In der Bahn sei er mit der Gruppe aneinandergeraten, man habe sich gegenseitig beleidigt. Er habe einfach um sich geschlagen.

Auch die drei Zeugen beschreiben eine eher unklare Ausgangssituation. Einer äußert die Vermutung, der 19-Jährige habe sich vielleicht selbst angegriffen gefühlt. Der Angeklagte entschuldigt sich. Jeder der drei nimmt an - einer mit Handschlag.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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