Kleine Kasseler Lampengeschichte

Die Letzte macht das Licht aus: Laternen verschwinden aus Königsstraße

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Werden abgebaut: Die Laternen auf der Oberen Königsstraße

Kassel. Nach 37 Jahren geht das Licht aus: Die historisch anmutenden Laternen auf der Oberen Königsstraße werden in den nächsten Tagen aus der Einkaufsmeile für immer verschwinden.

Den Großteil der etwa 60 Leuchten haben die Städtischen Werke bereits demontiert. Die 1981 extra für Kassel entworfene Leuchte weicht damit einer neuen Hängebeleuchtung, die ebenfalls eigens für die Stadt entwickelt wurde.

Viele Kasseler fanden sie kitschig, anderen waren die alten Laternen ans Herz gewachsen. Dass die Leuchten durchaus Fans haben, spürt auch die Stadt. Es gebe mehrere Anfragen von Kasselern, die eine der abgebauten Laternen kaufen wollen, sagt Citymanagerin Sabine Heinemann. Derzeit werde im Rathaus geprüft, wie dies möglich ist. Bis zum einem Verkauf werden die Laternen gelagert. 39 Stück stünden theoretisch zur Verfügung. Der Rest sei in einem zu schlechten Zustand. Zudem seien zwei Laternen ins Stadtmuseum und eine ins Technikmuseum gewandert.

1976: Dieses Modell stand früher auf der Unteren Königsstraße.

Als die Laternen Anfang der 80er-Jahre unter Oberbürgermeister Hans Eichel aufgestellt wurden, war eine lange Diskussion in der Stadt vorausgegangen. Mehrere Modelle waren getestet, aber für ungeeignet befunden worden. Letztlich setzte sich der Stuttgarter Architekt Prof. Max Bächer mit seinem Entwurf durch. Bächer orientierte sich seinerzeit an den historischen Kasseler Laternen, die an einen Bischofsstab erinnern.

Stich aus dem Jahr 1850: Laterne am Friedrichsplatz.

Ab etwa 1830 habe es in Kassel ein solches Modell gegeben, sagt Historiker Christian Presche. Auf alten Stichen und Drucken seien diese Laternen für die Schöne Aussicht, den Friedrichsplatz und den Wilhelmshöher Platz (heute Brüder-Grimm-Platz) nachgewiesen. Auch am Schloss Wilhelmshöhe wurden ähnliche Modelle installiert, die bis heute dort stehen. „Die Bischofsstablaternen gab es schon vor Einführung des Gaslichtes. Damals wurden die Öl-Lampen von Laternenanzündern erhellt“, sagtPresche.

Hergestellt wurden die ursprünglichen Laternen in der Veckerhagener Eisenhütte (Kreis Kassel). In einem Produktkatalog der Eisenhütte aus 1834 ist die Laterne beschrieben. Nach Auskunft von Presche verschwand das geschwungene Modell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Innenstadt und tauchte erst 1981 in modernisierter Form wieder auf.

Jens Herzbruch vom Stadtplanungsamt verweist darauf, dass die Königsstraße in den vergangenen 100 Jahren die meiste Zeit ohne Laternen ausgekommen sei. Seit 1910 habe es eine Hängebeleuchtung gegeben. Erst 1981 sei diese verschwunden. Nun werde eine neue Hängebeleuchtung dafür sorgen, dass die Einkaufsmeile nachts deutlich heller erstrahle. „Das passt besser zu einer Geschäftsstraße aus den 50er-Jahren als historisierende Lampen“, sagt Herzbruch. Zudem seien letztere ursprünglich für Parks und Plätze konzipiert worden.

Ganz vermissen müssen die Kasseler ihre Bischofsstablaternen nicht. Auf dem Opernplatz bleiben vorerst acht Exemplare stehen, bis auch der Platz neu gestaltet wird.

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