Biologie-Studenten der Uni Kassel haben in der Dönche Nistplätze für Tiere angelegt

Latrine wird Lebensraum

Claudia Wulff

Kassel. Mitten im Freilandlabor Dönche steht ein Toilettenhäuschen, das schon lange nicht mehr genutzt wird. Jetzt haben Kasseler Lehramtsstudenten und Schüler des Lichtenberg-Gymnasiums in einem Pilotseminar rund um die Latrine neue Lebensräume für Tiere geschaffen.

Praxisnahe Lehrerfortbildung werde immer wieder gefordert, sagt Dr. Claudia Wulff: „Wir setzen das sogar doppelt um, indem wir mit Schülern arbeiten und etwas Praktisches machen.“ Die 58-jährige Leiterin der Experimentier-Werkstatt Flox der Abteilung für Biologie-Didaktik hatte mit Doktorandin Monique Meier und Biologiestudenten das Seminar seit März vorbereitet. Unterstützt wurde das Projekt, das einen Lehrinnovationspreis der Uni Kassel gewonnen hat, von der Oberen Naturschutzbehörde, Hessen-Forst und dem Naturschutzbund.

Quartiere für Ohrwürmer

Vor Ort analysierten die Studenten drei Tage lang mit Siebtklässlern die Lebensräume verschiedener Tiere. Anschließend hauchten sie dem alten Klo neues Leben ein: mit Stroh und Hohlblocksteinen bauten sie kleine Quartiere für Ohrwürmer und Siebenschläfer. Sie sammelten abgestorbene Äste und legten nebenan einen Totholzhaufen an, in dem künftig Asseln, Ohrwürmer und Käfer Unterschlupf finden. Für eine Trockenmauer transportierten die Nachwuchsbiologen zwei Tonnen Sandstein zum Freilandlabor, aus getrocknetem Knöterich bauten sie ein Bienenhotel.

Um Freiflächen auf dem teils stark bewachsenen Gelände des Freilandlabors zu schaffen, fällten die Seminarteilnehmer gemeinsam mit dem Forstamt drei Bäume. „Naturschutz muss auch eingreifen“, sagt Monique Meier. Blindschleichen und Eidechsen benötigten Sonnenwärme. „Wenn aber alles wuchert, bekommen sie keine“, erklärt die 29-Jährige, die ihre Doktorarbeit über Schülerexperimente schreibt und das wissenschaftliche Konzept des Pilotseminars erarbeitet hat.

Vor Ort übernahmen dann zwei Studentinnen die Seminarleitung. Eine von ihnen ist Claudia Klippert (26), die im zehnten Semester Biologie auf Lehramt studiert. „Wir haben nicht nur geredet, wir haben gehandelt“, sagt sie. Dabei sei die Arbeit in der freien Natur für viele Schüler neu gewesen. So hätten die meisten vorher noch nie eine Schubkarre in der Hand gehabt.

Mensch muss Natur helfen

Nachdem Dr. Claudia Wulff mit ihren 13 Studenten das Projekt ausgewertet hat, möchte sie weitere Seminare in der Dönche veranstalten. „Uns ist wichtig, Studenten und Schülern zu zeigen, dass der Mensch manchmal der Natur helfen muss, neue Lebensräume zu schaffen“, sagt sie. Und sei es nur mit einem alten Toilettenhäuschen.

Von Sebastian Schaffner

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