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Öko-Schreck Laubbläser: Darum kann die Stadt nicht auf die Geräte verzichten

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Von: Matthias Lohr

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Sie sind laut und stinken, aber sie erleichtern die Arbeit: Auch Laubbläser werden von den Stadtreinigern eingesetzt, die derzeit die zahlreichen Blätter wie hier in der Achenbachstraße entfernen. Archi
Sie sind laut und stinken, aber sie erleichtern die Arbeit: Auch Laubbläser werden von den Stadtreinigern eingesetzt, die derzeit die zahlreichen Blätter wie hier in der Achenbachstraße entfernen. Archi © Andreas Fischer

Die Stadt empfiehlt allen Kasselern, auf Laubbläser zu verzichten, weil sie nicht nur ökologisch bedenklich sind. Stadtreiniger und Co. setzen jedoch weiterhin auf die umstrittenen Geräte.

Kassel – HNA-Leserin Jutta Freitag fand den Hinweis des Naturschutzbunds überfällig. Wie jeden Herbst hatten die Naturschützer in einer Mitteilung darauf hingewiesen, im Garten doch auf Laubbläser zu verzichten. Die Geräte sind bis zu 120 Dezibel laut (also wie ein Presslufthammer), verbrauchen viel Energie, stoßen Kohlenmonoxid und andere Abgase aus und gefährden Insekten sowie allerlei andere Kleinstlebewesen, die wichtig für den natürlichen Kreislauf sind. Beim WWF heißt es, Laubbläser seien eine „gigantische Tötungsmaschine“.

Jutta Freitag schrieb darum einen Leserbrief, in dem sie nicht nur Laubbläser in Privatgärten geißelt, sondern auch fordert, dass die Stadtreiniger sowie das Umwelt- und Gartenamt auf die Geräte verzichten. Warum eigentlich nicht? Schließlich gibt auch das Umwelt- und Gartenamt Empfehlungen an alle Kasseler aus, in denen geraten wird, statt der „lärmenden Laubbläser“ Besen und Rechen zu nutzen. So könne jeder einen positiven Beitrag für die Umwelt und den Klimaschutz leisten.

In Haar östlich von München hat man dies getan. Ein Jahr lang verzichteten die 30 Mitarbeiter des Bauhofs auf Laubbläser. Bei den Bewohnern kam dies gut an. So stellte die Mehrheit in einer Umfrage fest, dass es ruhiger geworden sei, wie der Leiter des Umweltamts der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Allerdings hatten die Arbeiter des Bauhofs deutlich mehr zu tun. Ein Gerät spare mehr als drei Mitarbeiter ein, heißt es. Mittlerweile wird in Haar längst wieder geblasen. Allerdings will man nach und nach auf Akku- oder Elektrogeräte umsteigen, die leiser und weniger gesundheitsschädlich seien.

Auch in Kassel kann man auf Laubbläser nicht verzichten. So sind bei den Stadtreinigern derzeit bis zu 21 benzinbetriebene und 12 Laubbläser mit Elektroantrieb im Einsatz, wie eine Sprecherin sagt. Grund dafür sei die höhere Leistungsfähigkeit. So könne Laub und Schmutz unter Autos sowie zwischen Wagen und Bordsteinen leichter erreicht werden. Ohne Laubbläser könne keine „gründliche Reinigung im innerstädtischen Bereich“ erfolgen. Der Verzicht würde zu einem erheblichen Mehraufwand führen. Allerdings wolle man benzinbetriebene Laubbläser reduzieren und einmal ganz durch Akkugeräte ersetzen.

Im Umwelt- und Gartenamt sind laut einem Rathaussprecher etwa 50 Laubbläser in Betrieb. Der Anteil von Geräten mit Akkutechnik nehme immer mehr zu. Auch bei der Pflege der städtischen Grünflächen gilt, dass „eine manuelle Laubentfernung aufgrund der enormen Laubmassen aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist“, wie der Sprecher sagt.

Dabei werde noch nicht einmal auf allen Flächen das Laub entfernt. Um dem Naturschutz gerecht zu werden, bleibe Laub in einigen Bereichen liegen oder werde gehäckselt und gemulcht. Auf einigen Grünflächen sei die Entfernung des Laubs auch angeraten, um zu verhindern, dass sich die Kastanienminiermotte ausbreite. Die ist wegen enormer Schäden bei Kastanienbäumen ungefähr so beliebt wie ein Laubbläser bei Langschläfern. (Matthias Lohr)

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